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Aktuelles

14. August 2022

Neuzugänge der OSG für die Bundesliga Teams

Wir freuen uns, mit der Deutschen Nummer Eins, GM Vincent Keymer / aktueller Weltranglistenplatz 61 / ELO 2680 und dem Sieger der GRENKE-Chess Open 2017, GM Nikita Vitiugov, aktueller Weltranglistenplatz 25 / ELO 2722, zwei namhafte Neuzugänge für unser Schachbundesliga-Team vermelden zu können.

Und wir freuen uns, dass sich mit WGM Mai Narva, ELO 2405, und WGM Teodora Injac, ELO 2389, zwei junge Top-Talente im Frauenschach, unserem Frauenbundesliga-Team anschließen.

Wir heißen alle vier herzlich willkommen bei der OSG Baden-Baden! (Patrick Bittner)


18. Juli 2022

Trophäensammlung vervollständigt.

Das Pokalgewinnerteam v.l.n.r. Michael Adams, Sergei Movsesian (mit Pokal), Georg Meier, Alexei Shirov, Mannschaftsführer und 1. Vereinsvorsitzender Patrick Bittner

Mehr geht nicht! Pünktlich zum einhundertjährigen Vereinsjubiläum hat die Ooser Schachgesellschaft Baden-Baden 1922.ev (OSG Baden-Baden) nun auch den Pokal des Deutschen Schachbundes an die Oos geholt und damit auf den höchsten Ebenen des deutschen Mannschaftsschachsports  alle vier erreichbaren Titel eingeheimst: Nach der deutschen Meisterschaft der Frauen Ende Mai, dem Sieg in der 2. Bundesliga Gruppe Süd, Anfang dieses Monats und dem deutschen Meistertitel zum Abschluss der Schachbundesliga vor einer Woche, nun, nach vier Jahren mal wieder, das Double.  

Im Pokalwettbewerb wird an vier Brettern gespielt. Das Quartett der OSG siegte im Halbfinale 3:1 gegen die Schachfreunde Deizisau und im spannenden Finale mit einem knappen 2,5:1,5 gegen den Bundesligaaufsteiger SK Kirchweyhe, einen Verein, dem die Experten in der nächsten Saison der höchsten Spielklasse einiges zutrauen.

Gegen Deizisau siegten Michael Adams an Brett eins und Georg Meier am vierten Brett, Alexei Shirov und Sergei Movsesian spielten unentschieden an den Positionen zwei und drei.

Im Finale gegen Kirchweyhe ging eine taktische Aufstellungsvariante zur Freude von Mannschaftsführer und erstem Vorsitzenden, Patrick Bittner, voll auf:

Alexei Shirov hielt – diesmal an Brett eins – gegen den Kirchweyherer Spitzenmann Velimir Ivic sicher das Remis, genau wie der vorübergehend etwas unter Druck stehende Michael Adams an Brett zwei gegen Ante Brkic und Georg Meier an vierter Position gegen Hrvoj Stevic. Am dritten Brett bewahrheitete sich eine optimistische Einschätzung auf Baden-Badener Seite: Sergei Movsesian besiegte Zoran Jovanovic – scheinbar mit leichter Hand.

Alle Spieler der Finalkämpfe sind Großmeister des Weltschachbundes FIDE.

Bei der Siegerehrung übergab der Vizepräsident Sport des Deutschen Schachbundes, Ralph Alt, den Pokal mit einem Zitat aus der Website der Organisation: „Die Ooser Schachgesellschaft aus Baden-Baden steht wie keine andere für diesen Pokalwettbewerb. Seit mindestens 2012 standen sie immer im Finale und holten fünfmal den Pott“.

Über einen weiteren Erfolg unterhalb der höchsten Klassen freut man sich sehr im Verein: Die sechste Mannschaft ist von der Bezirks- in die Bereichsklasse aufgestiegen.

(Text und Foto Walter Siemon)


13. Juli 2022

Endrunde um den Deutschen Mannschaftspokal 2022 in Baden-Baden

Am kommenden Wochenende findet die Endrunde um den Deutschen Mannschaftspokal im Kristallsaal im Kulturhaus in der Lichtentaler Allee 8 in Baden-Baden statt.Neben der OSG Baden-Baden haben sich die Mannschaften aus Viernheim, Deizisau und Kirchweyhe für die Endrunde qualifiziert. Es treffen also der amtierende Deutsche Meister (OSG), der Vize-Meister (Viernheim), der Tabellenvierte und Pokalverteidiger (Deizisau) und der starke Bundesligaufsteiger (Kirchweyhe) aufeinander. Sportlich ein absoluter Leckerbissen. Es werden viele sehr starke Großmeister live vor Ort zu sehen sein.

Zuschauer sind herzlich willkommen, der Eintritt ist frei. Vor Ort wird Großmeister Philipp Schlosser live kommentieren.

Halbfinals: Samstag, 16. Juli ab14.00 Uhr

Finale und Spiel um Platz 3: Sonntag, 17. Juli ab 10.00 Uhr

Die Partien werden auch über www.chess24.com live ins Internet übertragen. (Patrick Bittner)


11. Juli 2022

Ein Sommermärchen

Das Sommermärchen ist Realität, besser geht es nicht. Nahezu pünktlich zum hundertjährigen Vereinsjubiläum, das noch diesen Monat gefeiert wird hat sich die OSG Baden-Baden selbst und ihren Anhängern ein besonderes Geschenk gemacht und dem Sportleben Baden-Badens einen kräftigen Akzent verliehen: wieder die stärksten Schachteams Deutschlands zu stellen, man könnte auch sagen: die Kurstadt zu so etwas wie die Schachhauptstadt Deutschlands zu machen. Das Jahr 2022 – eine bemerkenswerte Saison mit drei Titelgewinnen für den Verein an der Oos: Deutscher Meister der Frauenbundesliga Schach, Sieger der zweiten Bundesliga Schach, Gruppe Süd und, seit letztem Wochenende, Sieger der Schachbundesliga, deutscher Meister also, und das zum sechzehnten Mal.

Foto (Schachbundesliga)
V. l. n. r. Rustam Kasimdhzanov, Arkadij Naiditsch, Fracisco Vallecho Pons, Fabiano Caruana, Alexei Shirov (mit Pokal), Michael Adams, Etienne Bacrot, Maxime Vachier Lagrave und Mannschaftsführer Sven Noppes

An sportlicher Spannung und Dramatik war die GRENKE Endrunde der Schachbundesliga in den VIP-Räumen des Bremer Weserstadions nicht mehr zu überbieten. Alles lief in der Vorschlussrunde auf die direkte Begegnung OSG-Baden-Baden gegen den nach Mannschaftspunkten gleichstehenden, aber nach Brettpunkten haushoch führenden SC Viernheim an der Tabellenspitze hinaus. Baden-Baden hatte den Druck, gewinnen zu müssen, um eine realistische Chance auf die Titelverteidigung zu haben. Schon bei einem Unentschieden wäre man auf die Schützenhilfe von Deizisau in der letzten Runde angewiesen gewesen. Viernheim, auf der anderen Seite, hatte sich den Druck auferlegt, unbedingt die günstige Ausgangsposition zu nutzen, um endlich einmal die Chance auf den lange ersehnten Titelgewinn Realität werden zu lassen. Beide Mannschaften hatten in der Runde zuvor die stärksten Mitbewerber besiegt, die noch Spielverderber  hätten sein können:  Die OSG-Baden-Baden gewann 5:3 gegen die Schachfreunde Deizisau,  Viernheim räumte mit demselben Ergebnis die SG Solingen aus dem Weg, die selber rechnerisch noch Meisterschaftschancen besaß. Und wie verlief der Showdown? Vier, fünf Stunden lang sprach alles für Viernheim – so zeigten es Schachprogramme, die die Stellungen bewerten können: Arkadij Naiditsch schien am achten und letzten Brett der OSG auf Verlust zu stehen, an keinem anderen Brett schien ein Sieg möglich, es drohte die Baden-Badener Niederlage und damit das Aus im Titelkampf. Die für die OSG am ersten und dritten Brett gestarteten Großmeister Fabiano Caruana und Maxime Vachier-Lagrave, die ihre Partien jeweils mit remis beendet hatten, trösteten ahnungsvoll die bangenden OSG-Funktionäre, Mannschaftsführer Sven Noppes und ersten Vorsitzenden Patrick Bittner: „Schaut nicht so viel in die Rechner; da ist noch was drin.“ Und wer, wie der Chronist dieser Zeilen, zwischendurch nur sporadisch die Gelegenheit hatte, in die Liveübertragung der Partien im Internet hineinzuschauen, traute am Ende seinen Augen nicht: Arkadij Naiditsch hatte die Partie so gedreht, dass am Ende sein Gegner, Denis Wagner, froh war, sich ins Unentschieden gerettet zu haben, Richard Rapport und Francisco Vallejo Pons an den Brettern zwei und vier hatten in unendlicher Geduld und Hartnäckigkeit nach sechs Stunden ihre „ungewinnbaren“ Partien doch noch gewonnen, Richard Rapport gegen den maßlos enttäuschten Viernheimer Großmeister Yuriy Kryvoruchko aus der Ukraine, Francisco Vallejo Pons gegen seinen spanischen Landsmann und persönlichen Freund, Großmeister Anton Guijar. Naiditsch hatte sich In ähnlicher Situation übrigens schon einmal bewährt, im Finale gegen Viernheim 2020, als es zum Schluss an seinem Brett hing, ob sich Baden-Baden würde durchsetzen können. Er siegte damals in einer für die Zuschauer nervenzerfetzend komplizierten Gewinnführung. 

In der Schlussrunde schaffte die OSG Baden-Baden ein überraschend klares 5,5:2,5 gegen den früheren Rekordmeister SG Solingen, den Schachfreunden Deizisau gelang die nicht mehr benötigte „Schützenhilfe“ mit einem 4:4 gegen den SC Viernheim, dessen Energie offenbar aufgebraucht war.

OSG-Vorsitzender Patrick Bittner betonte angesichts des unbändigen Siegeswillens der Mannschaft mit Stolz, dass das in dieser oder ähnlicher Besetzung seit vielen Jahren bewährte OSG-Team mit seinem leidenschaftlichen Einsatz wieder einmal eindrucksvoll bewiesen habe, wie es sich mit dem Verein identifiziert.  „Das sind OSG-ler“ , wie sich Bittner ausdrückte, die sich, mit großem persönlichen Engagement für den Baden-Badener Verein einsetzten, die kämpften  und sich über die Erfolge freuten. Dies zeige sich auch im persönlichen Auftreten, wenn sich etwa Caruana, unkompliziert zugänglich, mit Menschen aus dem Publikum unterhalte, auch mit Kindern, die er bereitwillig  „Selfies“ mit sich zusammen machen lasse.  Mannschaftsführer Sven Noppes sprach von den enormen organisatorischen Schwierigkeiten, die sich während der Corona-Pandemie ergeben hätten, immer wieder alle Akteure an die Bretter zu bekommen. Sie dann um jeden Sieg ringen zu sehen zeige, dass auch der sechzehnte Titelgewinn keinesfalls als gewohnheitsmäßige Selbstverständlichkeit angesehen werden könne, sondern auf jeder Ebene hart erkämpft werden musste.

Am Baden-Badener Erfolg in den letzten 5 Runden in Bremen beteiligt waren die Großmeister  Fabiano Caruana, Richard Rapport Maxime Vachier-Lagrave, Francisco Vallejo Pons, Alexej Shirov, Michael Adams, Radoslaw Wojtaszek, Rustam Kasimdzhanov, Arkadij Naiditsch, Etienne Bacrot, Georg Meier und Sergei Movsesian.

Fabiano Caruana und Richard Rapport kamen übrigens frisch vom Kandidatenturnier zur Ermittlung des Herausforderers von Weltmeister Carlsen.

(Walter Siemon)


9. Juli 2022

Spannender geht es nicht!

Wie nach einem Filmdrehbuch müssen die vier führenden Mannschaften bei der GRENKE Endrunde der Schachbundesliga in den VIP-Räumen des Bremer Weserstadions an diesem Wochenende gegeneinander antreten, um den deutschen Meister 2021/22 zu ermitteln. Drei Teams können es noch schaffen: Die nach Mannschaftspunkten gleichauf an der Tabellenspitze liegenden Vereine SC Viernheim und OSG Baden-Baden und, mit Außenseiterchancen, die drei Punkte zurückliegende SG Solingen. Allein der Viertplatzierte, die Schachfreunde Deizisau, sind aus dem Titelrennen, können aber gegen die drei erstgenannten Teams die Rolle des Spielverderbers einnehmen. Heute Vormittag ab 10.Uhr muss z. B. die OSG Baden-Baden gegen Deizisau am besten voll punkten, um ganz vorne dabei zu bleiben. Heute Nachmittag ab 17.00 Uhr kommt es dann zum Showdown zwischen Viernheim und Baden-Baden, wobei die Südhessen gestern die Konkurrenz mit einem 8:0 gegen den SK Düsseldorf geschockt haben und nach Brettpunkten weit enteilt sind.

Dass es auf den Saisonhöhepunkt zu geht, merkt man auch an den personellen Verstärkungen: Mit Fabiano Caruana und Richard Rapport hat Baden-Baden zwei Spieler des gerade beendeten Welmeisterschaftskandidatenturniers für die ersten Bretter gewonnen. Wann hat es so etwas schon mal gegeben? Beide Asse haben gestern bei 5:3 Sieg gegen SK Doppelbauer Turm Kiel gestochen, und man muss sich fragen, ob heute noch ein berühmter Name dazukommt, etwa Anish Giri? Viernheim an sich mit Shakhriyat Mamedyarov verstärkt, derzeit die Nummer neun der Weltrangliste.

Zum Abschluss muss die OSG Baden-Baden morgen, Sonntag 10.7. ab 10.00 Uhr, gegen Solingen antreten. Spätestens nach diesem Kampf wissen wir, ob die Titelverteidigung gelungen ist.

Die Partien werden live auf chess24.de übertragen

(Walter Siemon)


6. Juli 2022

GRENKE Endrunde im Bremer Weserstadion

Das Bremer Weserstadion, mit vollständigem Namen jetzt  „Wohninvest Weserstadion“: Wer denkt da nicht an eine Fußballkugel, die über den grünen Rasen rollt, an 22 Beinpaare, die nach ihr jagen und treten und zigtausende lautstarke Zuschauer?  Wer denkt da an Schach? Rasenschach vielleicht, wie das Fußballspiel gelegentlich genannt wird?  Das kann man an diesem Wochenende vergessen. Ab morgen geht es fünf Tage lang wirklich um das Spiel mit den 32 Figuren auf 64 Feldern, und die Akteure werden nach jedem dieser Tage geschafft sein, wie nach einem Fußballmatch. Es geht um die Endrunde der Schachbundesliga, um die deutsche Meisterschaft – aber nicht auf dem grünen Rasen – den zu betreten ist verboten – sondern in den VIP-Räumen des Stadions. Und nicht nur dort. Nach dem Umzug des Events von Berlin nach Bremen wollen die dortigen Verantwortlichen, wie es heißt, mehr „öffentliche Aufmerksamkeit“ rund um das altehrwürdige Denkspiel erreichen und deshalb volksfestartige Attraktionen auf die Beine stellen, mit 1000 Kindern, die unter dem Motto „Schach macht schlau“ unter der Regie des Bremer Fußballidols und Schachfans Marco Bode auf dem Marktplatz die Klötzchen schieben werden, mit  Benefiz-Simultanvorstellungen der ukrainischen Spitzenspieler der Bremer Bundesligamannschaft, die gegen zahlreiche Gegner gleichzeitig antreten werden, mit einem  Blitzschach – und Jugendturnier und einer Hochschulmeisterschaft, an der jeder teilnehmen kann, der sich, in welcher Funktion auch immer, in einer Universität betätigt.

All das gibt es nicht zum Nulltarif, und so haben die Bremer Organisatoren nach Sponsoren Ausschau gehalten und mit GRENKE einen für sie passenden Partner gefunden. Schließlich kennt man auch in Bremen die GRENKE AG aus Baden-Baden, die als Sponsor der OSG Baden-Baden seit über 20 Jahren den Schachsport fördert, sehr gut. Der Name der Veranstaltungen,  „GRENKE-Schlussrunde“, „GRENKE-Blitzturnier“ u.s.w., war damit vorgegeben.  Nicht zuletzt wollen die Bremer damit signalisieren, wie es mit dem Profischach vielleicht demnächst weitergehen könnte, sowohl unter rein wirtschaftlichen Gesichtspunkten wie den damit verbundenen Möglichkeiten, der Bevölkerung das Spiel näher zu bringen.

Wie stehen die Chancen des fünfzehnfachen Rekordmeisters und Titelverteidigers OSG Baden-Baden, bei der GRENKE Schlussrunde den Meisterpokal wieder an die Oos zu holen? Um es klar zu sagen: Es wird hart werden. Zurzeit ist es ein knappes Kopf-an-Kopf-Rennen zwischen dem an der Tabellenspitze liegenden SC Viernheim und der nach Mannschaftspunkten gleichauf, aber zwei Brettpunkte zurückliegenden OSG Baden-Baden. Den Tabellenständen nach hat Viernheim das voraussichtlich wesentlich angenehmere Restprogramm zu absolvieren als Baden-Baden. Beide Rivalen müssen allerdings noch gegen den Tabellendritten, Ex-Rekordmeister SG Solingen antreten und, vor allem, gegeneinander. Möglicherweise wird es auf diese Begegnung schlussendlich ankommen: OSG Baden-Baden gegen den SC Viernheim. Und welches Team kommt seiner Traumaufstellung am nächsten? Aus dieser Frage wird traditionell ein Geheimnis gemacht, denn im Schach kann man sich Dank der Datenbanken im Netz auf mögliche Gegner gut vorbereiten.

Allerdings wissen die Vereine sehr gut, welcher Spieler aus dem jeweiligen gegnerischen Kader gerade auf einem Einzelturnier irgendwo in der Welt unterwegs ist oder gerade war und daher wahrscheinlich oder mit Sicherheit nicht einsetzbar ist. Vielleicht werden daher auch Überraschungseffekte bei den Aufstellungen eine Rolle spielen.

Die Partien werden alle live auf chess24.de übertragen, morgen ab 16.00 Uhr, Freitag ab 13.00 Uhr, Sa. 9.7. ab 10.00 Uhr und dann wieder ab 17.00, So. 10.7. ab 10.00.

(Walter Siemon)


4. Juli 2022

OSG Baden-Baden II Meister der zweiten Schachbundesliga, Gruppe Süd.

(Foto Patrick Bittner) v.l.n.r.: Julian Martin, Roland Schmaltz, Niklas Schmider, Matthias Dann, Yannick Gozzoli, Dennis Breder, Jean-Noel Riff

Es ist ein Achtungserfolg und eine Kuriosität: Die zweite Mannschaft der OSG-Baden-Baden wurde am letzten Wochenende Meister der zweiten Schachbundesliga Gruppe Süd, kann aber nicht in die erste Liga aufsteigen, weil die Kurstadt dort bereits mit einem Team, dem fünfzehnfachen Deutschen Meister, vertreten ist. Aufstiegsberechtigt ist stattdessen der Zweitplatzierte der Gruppe Süd, der TSV Schönaich.

Der Erfolg der OSG II gelang am Ende mit Siegen gegen die SG Speyer-Schwegenheim (4,5:3,5) und den TSV Schott Mainz (5:3).

Auch die zweite Liga ist stark mit Schachgroßmeistern und anderen Meisterspielerinnen und – spielern besetzt, die aber in der Regel aus dem näheren geographischen Umfeld kommen, Frankreich – und besonders das Elsass – eingeschlossen. Im Fall der OSG gehören einige der Akteurinnen und Akteure dem engeren Kern des Vereins an. Großmeister und Mannschaftsführer Roland Schmaltz, beispielsweise, der an den Brettern sechs und sieben alle neun zu absolvierenden Runden mitgespielt und mit der Ausbeute von sechseinhalb Punkten viel zum Erfolg beigetragen hat, ist Vorstandsmitglied des Vereins. Aus Achern und Lahr kommen zwei höchst vielversprechende Jungmeister: der einundzwanzigjährige Internationale Meister Julian Martin, der an Brett drei überragende fünf Punkte aus sechs Partien erzielte, oder, ähnlich erfolgreich, der neunzehnjärige Niklas Schmider, der mit einem Score von beeindruckenden sieben Punkten aus neun Partien und seinem Sieg in der letzten Runde gegen Großmeister Slavko Cicak seine zweite IM-Norm erspielte. Sollte ihm demnächst die dritte Norm gelingen, womit im Verein gerechnet wird, erhält er ebenfalls den Titel Internationaler Meister des Weltschachbundes FIDE.

Mit Stolz spricht man im Verein von einer „hervorragenden Zweitligasaison 2022“.

(Walter Siemon)


4. Juli 2022

Niklas Schmider auf IM-Kurs

FM Niklas Schmider gegen Simon Commercon

Nicht ganz zwanzig Jahre alt geht er noch als Jugendspieler durch, ist aber schachlich längst erwachsen: Niklas Schmider aus Lahr, Badischer Jugendmeister U16 im Jahr 2018, FIDE-Meister 2019, Vereinswechsel zur OSG Baden-Baden 2020, Leistungsträger in der 2. Mannschaft mit dem Höhepunkt am vergangenen Wochenende: Mannschaftsmeister der zweiten Bundesliga, zweite IM-Norm nach Siegen gegen die SG Speyer -Schwegenheim und den TSV Schott Mainz mit dem Erfolg gegen GM Slavko Cicak an Brett 5. Immer mal wieder einen Sieg oder ein Remis gegen einen Großmeister muss man bei Niklas inzwischen als normalen Bestandteil einer kommenden Karriere im Turnierschach einordnen. So auch beim Open im italienischen Cattolica, wo GM Pier Luigi Basso durch seine Niederlage oder die Großmeister Levan Pantsulaia, Sabino Brunello und Eltaj Safarli (Elo 2601!) mit Punkte-Teilung entscheidend zu Niklas‘ erster IM-Norm und seiner hervorragenden Endplatzierung auf Rang vier beitrugen. Und die für den IM-Titel nötige dritte Norm? Die nächste Chance ergibt sich Ende Juli im A-Open der Dortmunder Schachtage. Dafür drücken wir Niklas die Daumen! Er möchte sich nach seinen eigenen Worten aber nicht unter Druck setzen und „einfach nur“ sein „Bestes geben“. Und wahrlich: Sich etwas in Geduld üben – das kennt er, zum Beispiel vom Swiss Masters in Baden-Baden 2021, als ihm trotz des hervorragenden vierten Platzes hinter unseren großmeisterlichen Schachfreunden Bilel Bellahcene, Roland Schmaltz und Philipp Schlosser ein halber Punkt für die IM-Norm fehlte. Das Rundenturnier im tschechischen Marienbad im Januar dieses Jahres gewann er sogar, der halbe Punkt fehlte dennoch auch hier. Aber dann, so freut sich sein Trainer, Großmeister Philipp Schlosser, der ihn bereits unter seine Fittiche nahm, als Niklas noch am 1. Brett der Verbandsliga in Lahr spielte, „ist der Knoten geplatzt“.

Niklas Schmider und die OSG? Ebenfalls eine Erfolgsgeschichte, mit der sich Niklas absehbar in eine Reihe  von Spielerinnen und Spielern einordnen wird, die mit Titel-Eroberungen glänzten, nachdem sie in unseren Verein eingetreten sind. Stellvertretend seien hier genannt: Iamze Tammert, Fabian Dötling, Andreas Heimann, Julian Martin und Andreas Schenk.  

In der gerade abgelaufenen Zweitliga-Saison hat Niklas alle 9 zu absolvierenden Runden mitgespielt und 7 Punkte erzielt. Der Verein hat es ihm mit der Aufstellung an Brett 5 gedankt, um ihm die Gelegenheit zur zweiten IM-Norm zu geben. Er hat sie genutzt!
(Foto und Text : Walter Siemon)


24. Juni 2022

Bodenseeopen Bregenz

Liebe Schachfreunde, wenn ich Ihnen alles tolle über diese Tage schreiben wollte, dann müssten wir eine Sonderausgabe des Saisonmagazins herausbringen.

Bilder sagen mehr als Worte, darum versuche ich mich kurz zu fassen:

16 OSG Teilnehmer, knapp 25 Leute vor Ort, 5 Bungalows zur Selbstversorgung, 2 Familien in Hotel bzw. Ferienwohnung, Planungsbeginn Januar, Unterkünfte um 15,– Euro pro Tag, 2 Trainer, 8-10 Eltern, unglaubliche Stimmung, faszinierender Zusammenhalt, tolle Analysen und Vorbereitung, Geburtstag feiern, Boot fahren, Grillen, Blitzturnier, Essen gehen, selber kochen, gemeinsam Pokalfinale, Champions League zusammen bejubeln, Freude, Tränen. Es war alles dabei.

v.l.nr.: Mery Nanthivarman, Daniel Schmitt, Vito Yin, Hagen von Schickh, David Stankovic, Julius Semling, Jonas Uhlmann, Anton Büttner, Johannes Semling, Carlos Neves Es fehlen: Matthias und Tim Uhlmann, Philipp Schlosser, Johanna Tangen, Lars Balzer, Rolf Schlindwein und Patrick Bruns

Von links: Mery Nanthivarman, Daniel Schmitt, Vito Yin, Hagen von Schickh, David Stankovic, Julius Semling, Jonas Uhlmann, Anton Büttner, Johannes Semling, Carlos Neves.

Es fehlen: Matthias und Tim Uhlmann, Philipp Schlosser, Johanna Tangen, Lars Balzer, Rolf Schlindwein und Patrick Bruns.

Ich denke die Idee der Stärke durch Gemeinschaft und Spaß ging bestens auf, fast alle Teilnehmer werden mit einem dicken Plus entweder an Elo und/oder DWZ rausgehen. Vorbereitung und Analysen haben sicher auch geholfen. Einige Highlights: Vito 2x gewonnen gegen Gegner mit über 400 Elo mehr, Mery Sieg gegen 500 Elo mehr, Tim Remis gegen FM 400 Elo mehr, Julius +100 Elo, Johannes +60 Elo, Jonas 2x Remis gegen 500+600 Elo mehr, Johanna Sieg gegen 400 Elo plus. Andere mit hervorragenden Partien wie z.B. Hagen bei seinem allerersten Turnier überhaupt! Alle Ergebnisse auf: https://chess-results.com/tnr588463.aspx?lan=0

Die Aktion schreit nach Wiederholung und die Hauptfrage wird sein, ob es wieder Bregenz wird, oder ob wir uns ein ähnliches Turnier suchen. Sehr, sehr viel spricht für Bregenz. Der Veranstalter hat uns in jedem Fall bereits herzlich eingeladen für das Bregenzer Open 2023 vom 13.05.-21.05.2023! (Rolf Schlindwein)


30. Mai 2022

Der Bericht zur zwölften deutschen Meisterschaft der Frauen

Foto: Thilo Gubler

In einem spannenden Finale der Frauenbundesliga Schach über 5 Runden hat das Team der OSG Baden-Baden seinen zwölften deutschen Meistertitel errungen. Und in der Schachbundesliga  marschiert die OSG weiterhin punktgleich mit Spitzenreiter SC Viernheim „synchron“ dem entscheidenden Titelkampf entgegen. Den Frauen gelang es, die Durststrecke von – Pandemie-bedingt- vier Jahren zu beenden, in denen sie zweimal dem SC Bad Königshofen bei der Titelvergabe den Vortritt lassen mussten.  Die zentrale Endrunde im niedersächsischen Lehrte begann mit einem engagiert erkämpften 4:2 Erfolg gegen die immer im erweiterten Favoritenkreis mitspielenden Schachfreunde Deizisau, dann folgte ein leichter erspielter 5,5:1,5 Sieg über den Überraschungsaufsteiger SV Hemer, ein Ergebnis in derselben Höhe gegen Gastgeber Lehrte schloss sich an, bevor es dann richtig ernst wurde: Der SK Schwäbisch Hall war die hohe Hürde. Zwar hatte man 2 Mannschaftspunkte Vorsprung vor dem „ewigen“ und stets mit hervorragenden Meisterspielerinnen besetzten Rivalen, ein Vorsprung, der zum Glück für die OSG dadurch zustande gekommen war, dass Schwäbisch Hall überraschenderweise gegen den Hamburger SK verloren hatte, aber eine Niederlage gegen die Ost-Württembergerinnen hätte den Titelkampf zugunsten der „Schwäbinnen“ entschieden, die über einen komfortablen Brettpunktevorsprung verfügten. Ein knappes 3,5:2,5 für Baden-Baden war das Resultat dieses vorentscheidenden Duells. Die überragend performende junge Kasachin Zhansaya Abdumalik führte am ersten Brett eine nicht immer ganz eindeutige Stellung gegen ihre Landsfrau Dinara Saduakassova geduldig zum vollen Punkt für Baden-Baden, während an Brett zwei die russische Exweltmeisterin Alexandra Kosteniuk gegen ihre Landsfrau Alina Kashlinskaya in eine unhaltbare Stellung geriet und aufgeben musste. Ihr für die Gegnerinnen überraschender Einsatz brachte aber deren Vorbereitung offenbar durcheinander und trug so zum Sieg der OSG bei. Die deutsche Nummer eins, Elisabeth Pähtz, Nurgyul Salimova und Josefine Heinemann erzielten, teilweise aus hart umkämpften Positionen heraus, jeweils Unentschieden, während die in Topform spielende Antoaneta Stefanova  mit ihrem Sieg gegen Meri Arabidze das knappe Siegergebnis für die OSG sicherstellte. Der Kurstadtverein war nun nicht mehr einzuholen, so dass das abschließende 4:2 gegen Titelverteidiger SC Bad Königshofen zu einem höchst willkommenen Achtungserfolg geriet, aber nicht mehr entscheidend war. Alexandra Kosteniuk rehabiltierte sich mit einem Sieg gegen Jana Schneider, Antoaneta Stefanova verleitete durch konsequentes Druckspiel Anastasia Savina zu einem schweren Fehler, der Stefanova den vollen Punkt eintrug, Remis erzielten Zhansaya Abdumalik, Elisabeth Pähtz, Anna Zatonskih und Iamze Tammert.

Thilo Gubler, der glückliche Teamchef, wusste anschließend nicht, was besonders hervorzuheben wäre: dass die OSG-Frauen sämtliche Begegnungen der Saison gewonnen haben, die oft überragenden  Leistungen der Spielerinnen, wie zum Beispiel die 7,5 Punkte aus acht Partien von Josefine Heinemann oder die 6 aus 7 von Zhansaya Abdumalik an den Spitzenbrettern, die mitentscheidenden zwei Siege von Antoantea Stefanova gegen Schwäbisch Hall und Bad Königshofen oder dass während der ganzen Saison überhaupt nur vier Einzelniederlagen zu verzeichnen waren.

OSG-Vorsitzender Patrick Bittner betonte in seiner Freude über den Erfolg, wie es Thilo Gubler, auch unter manchmal schwierigen Umständen, immer wieder gelinge, aus Individualistinnen ein Team zusammenzustellen, dass mit vollem Engagement den gemeinsamen Erfolg anstrebt und genießt.

Bliebe noch der Blick auf die Schachbundesliga: Gegner der OSG im Kulturhaus LA8 waren die beiden Münchener Vereine FC Bayern München und Münchener Schachclub 1836, beides ehemalige deutsche Rekordmeister, die sich erwartungsgemäß als „harte Nüsse“ erwiesen. Gegen den FC Bayern, gegen den man in der letzten Saison knapp verloren hatte, gelang eine klare 5:3 Revanche. Francisco Vallejo Pons rang am ersten Brett den starken deutschen Großmeister Niclas Huschenbeth nieder, aber Michael Adams, Radoslaw Wojtazsek, Rustam Ksindzanov, Alexander Donchenko und Etienne Bacrot mussten recht schnell erkennen, dass aus ihren Stellungen nicht mehr als ein Unentschieden herauszuholen war. Einmal mehr bewies dann Arkadij Naiditsch an Brett 6, mit welchen Kämpferqualitäten er der Mannschaft dienen kann. Sein Sieg gegen Linus Johansson war das Resultat eines wechselvollen, zähen Ringens, und es war Naiditsch, der gegen München 1836 den äußerst knappen 4,5,:3,5 Erfolg rettete, als er aus deutlich schlechterer Stellung heraus das Remis erkämpfte. Schon ein unentschiedenes Ergebnis gegen die Münchener Aufsteiger hätte die OSG im Meisterschaftsrennen erheblich zurückgeworfen, denn auch der nach Mannschaftspunkten gleichaufliegende, aber nach Brettpunkten führende SC Viernheim schaffte nach einem 6,5:1,5 gegen Mühlheim Nord ebenfalls noch den knappen 4,5:3,5 Sieg gegen Werder Bremen, als aus Baden-Badener Sicht lange Zeit die Hoffnung keimte, Viernheim könnte in diesem Duell einen Punkt liegen lassen. Rustam Kasimdzhanov, Alexander Donchenko und Etienne Bacrot punkteten gegen München 1836 voll für die OSG, während Michael Adams und Georg Meier Niederlagen quittieren mussten. Außer Naiditsch remisierten Francisco Vallejo Pons und Radoslaw Wojtaszek.

Walter Siemon


29. Mai 2022

OSG-Frauen Deutscher Mannschaftsmeister!

Toller Erfolg für unsere Frauenbundesliga-Mannschaft um Teamchef Thilo Gubler. Bei der zentralen Endrunde in Lehrte konnte die insgesamt zwölfte Meisterschaft gefeiert werden. Unser herzlichsten Glückwunsch und Gratulation an das ganze Team. Ein ausführlicher Bericht folgt in Kürze. (Patrick Bittner)

v.l.n.r. Alexandra Kosteniuk, Nurgyul Salimova, Zhansaya Abdumalik, Antoaneta Stefanova, Anna Zatonskih, Iamze Tammert, Elisabeth Pähtz, Thilo Gubler (Foto Thilo Gubler)


27. Mai 2022

Entscheidung bei den Frauen, zwei frühere Rekordmeister aus München Gegner der OSG in der Schachbundesliga

Während die Meisterschaft in der Frauenbundeliga Schach mit Ablauf dieses Wochenendes entschieden sein wird – und man hofft an der Oos, dass die OSG-Frauen, allein an der Tabellenspitze liegend, die Nase vorn behalten und nach zweijähriger Durststrecke den insgesamt zwölften Meistertitel erobern werden – sind in der Schachbundesliga noch sieben Runden zu absolvieren. Dabei darf die OSG zum letzten Mal in dieser Saison wieder zuhause im Kulturhaus LA8 antreten. Auf dem Programm steht eine schachhistorische Kuriosität: drei Rekordmeister treffen aufeinander. Der amtierende fünfzehnfache Meister OSG Baden Baden hat es am 28.5. (ab 14.00 Uhr) mit dem neunfachen Meister der achtziger und neunziger Jahre zu tun, dem FC Bayern München, also dem Dominator der Schachbundesliga-Gründerzeit und am 29.5. (ab 10.00Uhr) mit dem Bundesliga-Aufsteiger und achtfachen deutschen Meister der fünfziger und frühen sechziger Jahre, also der Vor-Bundesliga-Zeit, dem Münchener Schachclub 1836. Zwar führen nostalgische Rückblicke zu keiner Entscheidung im Hier und Jetzt, die Spannung des Kräftemessens vor diesem Hintergrund dürfte jedoch ihren besonderen Reiz haben. Ein neues Selbstbewusstsein im Schach-München ist jedenfalls unverkennbar. Beide Vereine möchten sich in der ersten Tabellenhälfte, möglichst nahe an der Spitze, konsolidieren, der FC Bayern dabei sein Image als „Fahrstuhlmannschaft“ der letzten Jahre hinter sich lassen und der Schachclub 1836, der drittälteste Schachverein Deutschlands, eine feste Größe im Oberhaus werden. Und für die OSG geht es darum, unbedingt im Kopf-an-Kopf-Rennen an der Spitze weiter mitzuhalten. Um der geballten Münchener Power Paroli zu bieten, hat Mannschaftsführer Sven Noppes, ohne Namen zu nennen, die bisher nominell stärkste Mannschaftsaufstellung dieser Saison angekündigt. Punktgleich mit dem Spitzenreiter Viernheim liegt die OSG, nur durch einen geringfügigen Rückstand an Brettpunkten getrennt, auf Platz zwei. Und wie bei den Frauen ist es das erklärte Ziel, am Ende den Meisterschaftspokal wieder in Händen zu halten.

Zuschauer sind in der LA8 willkommen, der Eintritt ist frei, und außerdem werden die Partien der Schachbundesliga live auf chess24.com übertragen, die der Frauenbundeliga Schach auf https://sk-lehrte.de.

Walter Siemon


17. Mai 2022

OSG Baden-Baden an der Tabellenspitze wieder abgelöst.

Schachbundesliga:

Zwei klare Siege hat die OSG Baden-Baden am vergangenen Wochenende eingefahren: 5:3 gegen den USV TU Dresden und 6,5:1,5 gegen den BCA Augsburg – und dennoch: Der SC Viernheim hat nach Brettpunkten wieder knapp die Nase vorne, gelang den Südhessen das hohe Ergebnis von 6,5:1,5 doch gleich zwei Mal, gegen die Schachfreunde Berlin und gegen den SK König Tegel. Das Kopf-an-Kopf-Rennen zwischen Viernheim und Baden-Baden, die nach Mannschaftspunkten gleichauf die Tabellenplätze eins und zwei belegen, geht also weiter, dicht gefolgt von Alt-Rekordmeister SG Solingen, nur einen Punkt dahinter. Unter der Voraussetzung, dass sich keiner der drei führenden Rivalen in den kommenden Runden irgendwelche Ausrutscher leistet, läuft es beim  diesjährigen Kampf um die deutsche Meisterschaft wohl auf einen echten Showdown hinaus: das direkte Aufeinandertreffen von Titelverteidiger und Rekordmeister Baden-Baden mit Viernheim und Solingen bei den letzten beiden Begegnungen dieser Saison, in der zentralen Endrunde, die am 9. Und 10. Juli in Bremen stattfinden wird.  

Gegenüber den letzten Spielen personell durch die Rückkehr von Arkadij Naiditsch und Etienne Bacrot etwas verstärkt, hielten sich die Ergebnisse der OSG gegen Dresden und Augsburg in erwartbarem Rahmen, wenn auch am einen oder anderen Brett mit etwas Glück, wenn etwa der Außenseiter in der gegnerischen Mannschaft gegenüber dem Favoriten am Baden-Badener Brett zu viel Respekt zeigte und Vorteile nicht nutzen konnte. Als großer Rückhalt erweist sich, abwechselnd an Brett eins oder zwei antretend, Rustam Kasimdzhanov, der an den Spitzenbrettern aus den letzten 5 Runden 4,5 Punkte an die Oos holte. Sein Sieg gegen Dresden war klar und überzeugend, gegen Augsburg hatte er das Glück des Tüchtigen, als sein Gegenüber in etwa ausgeglichener Stellung einen dicken Bock schoss. Überlegen herausgespielte Punkte holten gegen Dresden auch Georg Meier und Sergei Movsesian an den Positionen sieben und acht, während sich Francisco Vallejo Pons an Brett eins sowie Arkadij Naiditsch, Jan Gustafsson und Etienne Bacrot mit ihren Gegnern die Punkte teilten. Allein Alexander Donchenko verlor in einem haltbaren Endspiel an Brett drei plötzlich den Faden und musste passen. Dafür hielt er in einem erstaunlichen Abwehrkampf in einer eigentlich hoffnungslosen Partie gegen Augsburg das Remis. Neben Kasimdzhanov an Position zwei erwiesen sich die letzten vier Bretter gegen Augsburg als wahres Bollwerk: Jan Gustafsson, Etienne Bacrot, Georg Meier und erneut Sergei Movsesian holten jeweils den vollen Punkt für Baden-Baden. Francisco Vallejo Pons erfüllte nicht ganz seine Favoritenrolle, aber sein halber Zähler hielt, zusammen mit dem Unentschieden von Arkadij Naiditsch, das hohe Endergebnis.

Rückhalt an den Spitzenbrettern: Rustam Kasimdzhanov (Foto: Walter Siemon)

Walter Siemon


13. Mai 2022

Halbzeit in der Schachbundesliga

Eine Zwischenbilanz für die OSG Baden-Baden vor den Runden sieben und acht der Schachbundesliga an diesem Wochenende: Die Ausgangslage für die fünfte deutsche Meisterschaft in Folge ist gut, ein Selbstläufer ist es nicht. Der aktuell knappe Vorsprung des Titelverteidigers OSG Baden-Baden vor dem SC Viernheim lässt sich nur in einer ausgetüftelten Feinwertung darstellen. Das bedeutet in der Praxis: Zur Halbzeit dieser Saison ist alles noch offen. Baden-Baden und Viernheim belegen mit derselben Zahl von Mannschafts – und Brettpunkten die Plätze ein und zwei der Tabelle, dicht gefolgt von der Vorgängerin der OSG Baden-Baden als Rekordmeister, der SG Solingen, und den Schachfreunden Deizisau, ihres Zeichens Vizemeister und damit naturgemäß heiß auf mehr. Das gilt ebenso für die Viernheimer, die aus ihrer Sicht endlich mal „dran“ sind und, natürlich ganz besonders, für die Solinger Schachgesellschaft, zuletzt Titelträger in der Saison 2015/2016, der man getrost das Gefühl unterstellen darf, dass sie endlich mal wieder „dran“ ist. Die scharfe Klinge, die die Großmeister dieses Vereins zurzeit führen, drückt sich in einem komfortablen Vorsprung von Brettpunkten vor allen anderen Bundesligaclubs aus. Das könnte in der Endabrechnung den Ausschlag geben.

In Deizisau möchten und müssen die Meisterspieler der OSG-Baden-Baden den Platz an der Sonne auch gegen gegen den USV TU Dresden (Samstag ab 14.00 Uhr) und den BCA Augsburg (Sonntag ab 10.00 Uhr) behaupten und, wenn möglich, ausbauen. Beide Gegner hatte die OSG in den vergangenen Jahren jeweils gut im Griff, aber das ist „Schnee von gestern“ und erhöht höchstens den Druck auf den Kurstadtverein, die leichte Favoritenrolle zu bestätigen.

Alle Spiele werden live auf schachbundesliga.de bzw. chess24.com übertragen.

Walter Siemon


1. Mai 2022

Erfolgreiches Wochenende für die OSG Baden-Baden

Auch wenn die OSG umständehalber zurzeit keine „Weltauswahl“ aufbieten kann, wie das Team in der Schachbundesliga gelegentlich tituliert wurde, wenn alle Spitzenspieler zur Verfügung standen – die Personaldecke reicht zum Glück für die OSG allemal aus, um wieder beim Kampf um die Spitze mitzureden. So auch vergangenes Wochenende. Es galt nicht nur zwei Runden siegreich zu bestehen, sondern eineinhalb Brettpunkte mehr zu erzielen, als der aktuelle Spitzenreiter SC Viernheim, um vom zweiten zum ersten Tabellenplatz nach Mannschafts- und Brettpunkten aufzuschließen. Genau das ist mit einem 5:3 gegen die Schachfreunde Berlin und einem hohen 6:2-Erfolg gegen König Tegel gelungen, ja, sogar noch ein Tick mehr: Bei einem derartigen Punktegleichstand greift eine Feinwertung, die mit hauchdünnem Vorsprung den Titelverteidiger und Rekordmeister OSG wieder an die Spitze gebracht hat. Allerdings ist es nur eine Momentaufnahme. Baden-Baden hatte die etwas leichteren Gegner als der SC Viernheim. Nach Leistungskennzahlen (ELO-Durchschnitt) sogar höherkarätig besetzt als Baden-Baden, hatte Viernheim mit dem Hamburger SK und dem SK Doppelbauer Turm Kiel für dieses Mal die etwas härteren Nüsse zu knacken und ließ Brettpunkte liegen. Überhaupt lief es gut für den Verein an der Oos: Mitverfolger Deizisau kam, obwohl nahezu in Bestbesetzung angetreten, über ein unerwartetes 4:4 Unentschieden gegen die auf dem Papier nicht ganz so hoch einzuschätzenden Schachfreunde Berlin nicht hinaus und hat jetzt zwei Mannschaftspunkte Rückstand. Wieder deutlich erstarkt liegt jedoch Ex-Rekordmeister Solingen auf der Lauer, nur einen Mannschaftspunkt hinter der Spitze, aber nach „Torverhältnis“, also Brettpunkten, mit deutlichem Vorsprung vor allen anderen Vereinen.

Zurück zum aktuellen Spitzenreiter: Gegen die Schachfreunde Berlin siegte am zweiten Brett der frühere FIDE-Weltmeister Rustam Kasimdzhanov für die OSG mit einer eleganten Kombination, die den Gegner dafür bestrafte, dass er seinen König nicht durch eine Rochade in Sicherheit gebracht hatte.

An Brett drei gewann Alexander Donchenko einen Bauern und in der Folge die Partie, Sergei Movsesian schaffte es, einen Freibauern unaufhaltsam voranzutreiben und seinen Widerpart damit zur Aufgabe zu zwingen. Radolaw Wojtaszek am Spitzenbrett sowie Jan Gustafsson, Georg Meier und Fabian Döttling an den Positionen vier, fünf und sieben schlossen mit ihren Gegnern einen respektvollen Remis-Frieden; allein der jugendliche Internationale Meister Julian Martin hatte sich am letzten Brett verkombiniert und musste in einem hoffnungslosen Endspiel aufgeben. Mit überzeugendem Druckspiel und einer umsichtigen Gewinnführung konnte er am Folgetag gegen den SK König Tegel die Scharte auswetzen. Donchenko und Movsesian holten jeweils den zweiten vollen Punkt für die OSG. „Radek“ an Brett eins drang mit seinen Figuren tief ins gegnerische Lager ein und ließ seinem Gegner keine Chance. Rustam Kasimdzhanov war diesmal mit einem Remis einverstanden, ebenso wieder Jan Gustafsson, Georg Meier und Fabian Döttling.

Weiter geht es mit der Schachbundesliga bereits in vierzehn Tagen. Die Gegner der OSG Baden-Baden werden Dresden und Augsburg sein.

Zweifach erfolgreich: Sergei Movsesian
Zweifach erfolgreich: Alexander Donchenko

Text und Fotos: Walter Siemon