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Aktuelles

6. Februar 2023

Fragen an Vincent Keymer

Wir haben diese Fragen schriftlich gestellt und schriftlich beantwortet bekommen.

Frage 1:

Wir, die OSG-Baden-Baden (und sicherlich alle unsere Anhänger) sind natürlich hocherfreut, Dich als sympathischen Menschen, besten deutschen Schachspieler und frischgebackenen Vizeweltmeister im Schnellschach seit dieser Saison in unseren Reihen begrüßen zu dürfen und Dich an den Spitzenbrettern unserer Bundesligamannschaft für uns kämpfen zu sehen.

Was hat Dich bewogen, zu uns zu kommen?

Das war letztlich Teil einer längerfristigen Idee. Schon zu Beginn der Förderung durch die Grenke AG haben wir davon gesprochen, dass ich möglicherweise dann, wenn meine Spielstärke entsprechend ist, für die OSG spielen könnte. Ich habe dann vor Beginn dieser Saison das Angebot gerne angenommen und freue mich jetzt, zu dieser starken Mannschaft zu gehören.

Frage 2:

Ende letzten Jahres hast Du im Kasachischen Almaty einen sensationellen Erfolg errungen: Mit nur einem halben Punkt Abstand hinter dem Sieger, Weltmeister Magnus Carlsen, bist Du in der traditionellen FIDE-Schnellschachweltmeisterschaft zweiter geworden – einerseits eine riesen Überraschung für die Schachwelt, andererseits wissen die Fans und Kenner natürlich um Deine Spielstärke. Man muss dazu sagen: An dem Turnier hat nahezu die gesamte Weltspitze teilgenommen.

Wie ordnest Du diesen Wahnsinnserfolg in Deiner Schachkarriere ein?

Der Gewinn dieser Silbermedaille zählt für mich zu meinen größten Erfolgen. Eine Medaille bei einer offiziellen Weltmeisterschaft -wenn auch Schnellschach- zu gewinnen ist schon wirklich etwas Besonderes.

Frage 3:

Seit Dr. Robert Hübner, der in den siebziger und achtziger Jahren des letzten Jahrhunderts vier Mal WM-Kandidat war und bis auf Weltranglistenplatz drei vorgedrungen ist, hat es in Deutschland keinen Spieler mehr gegeben, der in so jungen Jahren so viel Hoffnung geweckt hat, ganz nach oben zu kommen.

Mit dem aktuellen Weltranglistenplatz 42 und Deinem jugendlichen Alter von 18 Jahren bist Du seit einiger Zeit ganz klar auf dem Weg dorthin.

Ist die Weltmeisterschaft Dein Traum und Ziel?

Das ist nichts, was ich in irgendeiner Form planen kann. Ich arbeite daran, mich weiter zu verbessern und dazu zu lernen. Was dann an messbaren Erfolgen daraus entsteht, kann ich nur abwarten.

Frage 4:

Empfindest Du die Hoffnungen und Erwartungen der Schachöffentlichkeit an Dich und die Ansprüche, die Du selbst an Dich stellst, als Druck, als Bestandteil der professionellen Erarbeitung eines Plans, gehst Du eher spielerisch damit um, oder ist es eine Mischung aus allem?

Ich empfinde den Druck von außen, also durch Öffentlichkeit, nicht sehr stark. Es ist eher so, dass mich das öffentliche Interesse freut und motiviert. Wahrscheinlich bin ich selber einer meiner strengsten Kritiker.

Frage 5:

Jeder Schachspieler, auch Du, muss im Laufe seiner Karriere immer wieder Rückschläge hinnehmen und macht Fehler im Spiel, die ihn an sich zweifeln lassen können.

Wie gehst Du damit um?

Natürlich mache ich Fehler, aber, wie Du schon sagst, die macht jeder Spieler. Das muss ich akzeptieren. Das Gute daran ist, dass die Fehler ein wichtiger Teil des Lernprozesses sind und somit zur schachlichen Verbesserung beitragen.

Frage 6:

Es ist verblüffend, wie die Schachwelt gerade von jungen oder jüngsten Talenten zwischen, sagen wir, 13 und 22 Jahren, bevölkert wird. Die meisten aus orientalischen Regionen. Alle haben im Teenager-Alter den Großmeistertitel errungen oder bekommen ihn demnächst verliehen. Und so gut wie alle wollen erklärtermaßen Weltmeister werden.

Wie erklärst Du Dir dieses Phänomen?

Vincent Keymer (Foto Gubler)

In vielen Ländern besteht ein viel größeres Interesse an Schach als bei uns. Ich habe beispielsweise bei der Schacholympiade in Chennai die unglaubliche Begeisterung vieler Inder für Schach erlebt. Das ist die perfekte Voraussetzung, um viele sehr starke Spieler hervorzubringen. Der andere Faktor ist die Möglichkeit, mit Engines zu trainieren, was es Spielern meiner Generation leichter macht schon so früh so gut zu werden.

Frage 7:

Wann fiel Dein Entschluss, Schachprofi zu werden?

Das war ein langer Prozess. Zuerst ging es um Entscheidungen, die weit in der Zukunft lagen. Am Ende hat sich alles so entwickelt, dass mir die Entscheidung wirklich leicht gefallen ist.

Vielen Dank für Deine Antworten!

Walter Siemon


6. Februar 2023

OSG Baden-Baden wieder Spitzenreiter der Schachbundesliga

Drei Runden, drei Siege und ordentlich Brettpunkte gemacht – vor heimischem Publikum im Kulturhaus LA8. Man kann es nicht anders sagen: Das Oktett der OSG-Baden-Baden war in Form. Die Wiederaufnahme des Spielbetriebs im neuen Jahr bescherte am vergangenen Freitag zunächst den Reisepartner bei Auswärtsspielen, Aufsteiger TSV Schönaich, als Gegner. Das Endergebnis von 6:2 für die OSG lag im Rahmen dessen, was man sich an der Oos erhoffen durfte, zumal Schönaich – warum auch immer – mit einer Art Ersatzmannschaft antrat. Nur am ersten Brett kämpfte ein Großmeister: Denis Kadric. Er und das erste Brett der OSG, Richard Rapport, spulten Varianten ab, in denen sie sich anscheinend gut auskannten. Remis war das Resultat. Am zweiten Brett siegte für die OSG Maxime Vachier-Lagrave, Weltranglisten Achtzehnter aus Frankreich, OSG – Großmeister Arkadij Naiditsch überspielte seinen Gegner bis zu einer nicht mehr zu parierenden Matt-Drohung. Dass die Großmeister Alexander Donchenko, der jüngst einen vielbeachteten internationalen Turniersieg feiern durfte, und Sergeij Movsesian gegen titellose Amateure volle Punkte einfahren würden, überraschte niemanden. Am letzten Brett bekam die OSG – Nachwuchshoffnung, FIDE-Meister Niklas Schmieder, von Teamchef Sven Noppes die Gelegenheit, sich gegen einen Ersatzspieler aus Schönaich das standesgemäße Erfolgserlebnis zu verschaffen. Rustam Kasimdzhanov mit einem Unentschieden und Michael Adams mit einer unerwarteten Niederlage, beide in den meisten Fällen zuverlässige Punktelieferanten für die OSG, mussten anerkennen, dass auch gegen nominell deutlich schwächer Gegner auf Bundeliganiveau Siege niemals garantiert sind.

Für den nächsten Tag erwartete man eine wirklich harte, möglicherweise sehr enge Auseinandersetzung. Die Schachfreunde Deizisau standen bereit zu beweisen, dass ihr zweiter Tabellenplatz kein Zufall war. Das Ergebnis erstaunte die Beobachter: Ebenfalls ein hoher 6:2- Sieg für die OSG, diesmal aber gegen acht gestandene Großmeister. Richard Rapport hatte offenbar am ersten Brett absolut keinen Respekt vor dem Einzeleuropameister 2022, dem noch nicht ganz siebenundzwanzigjährigen Deutschen, Matthias Blübaum. Mit einem kreativen Materialopfer verschaffte sich Rapport ein derartig aktives Figurenspiel, dass Blübaum die Übersicht verlor und schließlich aufgeben musste. Noch vor Blübaum rangiert in der deutschen Rangliste Vincent Keymer, die Nummer Eins. Seine Stunde kam am dritten Brett gegen den Deizisauer ehemaligen Mannschaftskameraden, Andreas Heimann. Mit einer für ihn typischen, subtilen Strategie lockte Keymer in seinem insgesamt fünften Einsatz für die OSG seinen Gegner in ein vorteilhaftes Endspiel, dass er konsequent für sich entschied. Michael Adams konnte in souveräner Manier gegen Zdenko Kozul die Scharte vom Vortag auswetzen und punktete voll. Es lässt sich kaum noch zählen, wie oft sich Arkadij Naiditsch für die OSG als „sichere Bank“ erwiesen hat. So auch diesmal, als er einen zu riskanten Bauernvorstoß seines Gegenüber Alexander Graf mit fliegenden Fahnen widerlegte. Maxime Vachier-Lagrave Rustam Kasimdzhanov, Alexander Donchenko und Sergej Movsesian sicherten jeweils mit einem Unentschieden den unerwartet hohen Gesamtsieg gegen Deizisau ab.

Dreifachsieger Arkadij Naiditsch (Foto Gubler)

Auch in der dritten Runde des Schachmarathons am letzten Wochenende winkte eine Herausforderung: Die Großmeister und Internationalen Meister des FC Bayern München.

Als die Bedenkzeit auf der Uhr knapp wurde, bewies der frischgebackene Vizeweltmeister im Schnellschach, Vincent Keymer, in welcher Geschwindigkeit er in einem Endspiel mit einem Bauern Übergewicht die richtigen, siegbringenden Entscheidungen treffen kann. Nachdem er sich zu Beginn der Partie auf eine scheinbar riskante, beengende Stellung eingelassen hatte, in der ihm aber offensichtlich klar war, wie man sie zu einer guten Position auflösen kann, konterte er seinen Gegner Amin Tabatabaei druckvoll aus. Und erneut rechtfertigte Arkadij Naiditsch das schon zur Gewohnheit gewordene Vertrauen in seine Verlässlichkeit, als er den mehrfachen deutschen Meister Klaus Bischoff vom FC Bayern bei vollem Brett zur Aufgabe zwang.  Richard Rapport remisierte an Brett eins gegen eines der aufstrebenden Jung-Genies der internationalen Schachszene, Parham Maghsoodloo, auch Maxime Vachier-Lagrave, Michael Adams, Rustam Kasimdzhanov, Akexander Donchenko und Sergei Movsesian schlossen mit ihren Gegnern aus Bayern den Remis-Frieden. 5:3 war der Schlussstand.

Mit zwei Mannschaftspunkten Vorsprung vor dem Erzrivalen der letzten Jahre, dem SC Viernheim, führt nun Titelverteidiger und Rekordmeister OSG Baden-Baden die Tabelle wieder an. Bleibt es in den nächsten Runden dabei, kann Viernheim in einem Nachholspiel nach Mannschaftspunkten zwar aufschließen, hat dann aber noch einen großen Rückstand an Brettpunkten aufzuholen.

Walter Siemon


1. Februar 2023

„Englische Woche“ für die OSG Baden-Baden in der Schachbundesliga.

Für die Spieler extrem anstrengend, für die Zuschauer aus Baden-Baden und Umgebung, die live dabei sein möchten, ein Verwöhnprogramm im Kulturhaus LA8: Drei Heimrunden der OSG in der Schachbundesliga von Freitag, 3.2.23 ab 16.00 Uhr, Samstag, 4.2. ab 14.00 Uhr und Sonntag, 5.2. ab 10.00 Uhr. Viele Stunden lang, im äußersten Einzelfall insgesamt mehr als fünfzehn, müssen die Großmeister der OSG höchste Konzentration am Schachbrett aufbringen. Es gilt zuerst, gegen den Reisepartner für die Auswärtsspiele zu spielen, danach folgen die Runden fünf und sechs, mit denen die Schachbundesliga ins neue Jahr startet. Ein „Trost“ für die Baden-Badener Denksportler angesichts des bevorstehenden Marathons: Der erste Gegner (besagter Reisepartner) wird Aufsteiger TSV Schönaich sein, aktuell Tabellenletzter, also normalerweise eine „lösbare Aufgabe“ wie das aus der Favoritenperspektive im Sport gerne genannt wird. Dann aber kommt es knüppeldick: Zweiter Gegner sind am Samstag die Schachfreunde Deizisau, aktuell Tabellenzweiter und immer einer der Titelaspiranten, an dessen Brettern mit größter Wahrscheinlichkeit acht in der Szene hinlänglich bekannte, bärenstarke Großmeister antreten werden. Ein kaum weniger anspruchsvoller Kampf steht am Sonntag an, gegen den FC Bayern München, im Moment im unteren Mittelfeld der Tabelle angesiedelt, aber immer mit Potential und Hunger auf mehr. Die zurzeit wegen der unterschiedlich absolvierten Rundenzahl noch verzerrte Tabellensituation sieht Titelverteidiger OSG auf Platz drei, aber klar wird an der Schach-Oos nach höheren Platzierungen geschielt, wenn die Tabelle ab Sonntag wieder auf der Reihe ist.

Eine spannende Frage für alle Schachfans dürfte die Personalie Vincent Keymer sein. Kann der Achtzehnjährige – deutsche Nummer Eins und seit kurzem überraschend Vizeweltmeister im Schnellschach – das erst letzten Sonntag beendete, kräftezehrende „Normalschach“-Turnier der absoluten Weltklasse, das „Tata Steel Masters“, an dem er mit respektablem Ergebnis teilgenommen hat, abhaken und sich wieder auf einen möglichen Einsatz im OSG-Team konzentrieren?  Seine potenziellen Gegner des Wochenendes würden es wahrscheinlich auch gerne schon vor dem ersten Zug wissen. Ähnliches gilt für Richard Rapport, oftmals eingesetzter Leistungsträger der OSG, der ebenfalls am „Tata Steel“, auch gerne „Wimbledon des Schach“ genannt, mit Erfolg teilgenommen hat.

Der Eintritt in die LA8 ist frei, die Partien werden live im Internet auf schachbundesliga.de und chess24.com übertragen.

Walter Siemon


3. Januar 2023

OSG Baden-Baden ist Deutscher Vizemeister U14 DVMM 26.12.-30.12.2022 in Kelheim

Bei der Deutschen Vereinsmeisterschaft der Altersgruppe U14 ging es selbst auf der ruhigen Donau zu wie auf hoher See. Gespielt wurde auf den einmaligen Schauplätzen der Donauschiffe Renate und Maximilian im bayrischen Kelheim mit hervorragender Verköstigung.

Begleitpersonen, Trainer und Eltern verfolgten teilweise nervös an den Bildschirmen die Spielverläufe. Im Hotel Dormero waren die Spieler untergebracht, wo sich der eine oder andere Abends zum Billardspiel einfand. Unsere Spieler nutzten jedoch jede Gelegenheit zur Analyse der Partien und zu Teambesprechungen mit unserem Trainer Großmeister Phillipp Schlosser.

In den ersten beiden Runden, die mit einem Unentschieden und mit einer Niederlage ausgingen, bemerkte man noch eine große Nervosität in der Mannschaft, die mit Julius und Johannes Semling, Vito Yin, Anton Büttner und Niklas Matz antraten. In Runde drei gelang unserer Mannschaft gegen die Karlsruher Schachfreunde ein deutlicher 4-0 Sieg und das steigerte die Moral für den Rest des Turnieres. Danach kletterten unsere Jungs unerbittlich die Rangliste nach oben. Es folgten zwei weiter Siege gegen die Schachvereinigung 1920 Plettenberg e.V. sowie gegen die Schachfreunde Essen-Katernberg 04/32 e.V. Jetzt standen wir bereits auf Platz vier, den wir in der sechsten Runde gegen die Mannschaft der TU Dresden mit einem sehr umkämpften Unentschieden halten konnten.

Die letzte Runde führte unser Team in die exklusive Rotunde, die nur den besten Mannschaften vorbehalten ist. Bei der Auslosung der siebten Runde klapperten am Abend zuvor dem einen oder anderen allerdings die Zähne, denn am letzten Tag sollte unsere Mannschaft gegen die bislang erstplatzierte Mannschaft München Garching antreten. Es war jedoch hier schon klar, dass Garching auch bei einer Niederlage auf Platz eins bleiben sollte, je nach Ausgang war für uns noch Rang 2 drin, aber auch ein Absturz auf Rang 8 oder 9. Als besonderer Ansporn wurde empfunden, durch den Sieg die Chance aufs Treppchen zu wahren und als einziges Team den deutschen Meister zu schlagen.

In der entscheidenden letzten Runde geriet zunächst Brett 3 in dramatische Schieflage, konnte sich dann durch geschicktes Spiel aber noch in ein Remis retten. Brett 4 musste sich seinem stark aufspielenden Gegner geschlagen geben und so ruhten alle unsere Hoffnungen auf den Zwillingen. Julius und Johannes Semling kämpften bis zum Schluss, beim zweiten Brett wortwörtlich, da nur noch eine sehr kurze Bedenkzeit von etwa einer Minute zur Verfügung stand. Am Ende schritten beide Jungen als Sieger über die Ziellinie. Das Unglaubliche wurde wahr: Unsere Mannschaft siegte über Garching: Die OSG Baden-Baden ist Deutscher Vizemeister!

Besonders hervorzuheben sind die Spitzenleistungen auf den ersten beiden Brettern durch Julius und Johannes Semling, deren überragendes Schachspiel mit den Preisen für das beste erste und zweite Brett geehrt wurde. Unsere erfahrensten Spieler lieferten tolle Duelle, aber vor allem funktionierte die Mannschaft als ein geschlossenes Team und die drei Neulinge bei deutschen Meisterschaften kämpften immer vorbildlich und bewahrten ihre Nerven und leisteten so ihren unverzichtbaren Beitrag zu diesem hervorragenden Ergebnis.

Sehr zu loben ist noch der Spitzen-Trainer Großmeister Philipp Schlosser, der die Spieler vorbereitete und ihnen rund um die Uhr mit Rat und Tat zur Seite stand. Das Turnier war eine tolle Erfahrung für alle Kinder, zusätzlich Motivation und Kraft brachte auch das große Interesse zuhause, es wurde mit gefiebert, mitgelitten und mitgefeiert von Teamkameraden über den neuen Jugendleiter David Stankovic, den Jugendkoordinator Rolf Schlindwein bis hin zum Vorstand Patrick Bittner, die alle täglich das Geschehen verfolgten. Und noch ein großer Dank an unseren Sponsor, die GRENKE AG, für die Unterstützung!

Lilli Weber (Mutter Anton Büttner)


13. Dezember 2022

Weihnachtsfeier

Klar, auch viele Schachspielerinnen und Schachspieler lieben es in der Adventszeit, Weihnachtslieder zu hören oder zu singen, umgeben von goldenen Kugeln und Kerzenschein. Aber auf der Weihnachtsfeier des erfolgreichsten deutschen Schachvereins, der OSG Baden-Baden, war am vergangenen Samstag für Weihnachtsdekoration gar kein Platz, weil die Tische für etwas anderes gebraucht wurden: Schachbretter und Schachfiguren! Schach spielen oder anderen beim Kombinieren zuschauen – nach Herzenslust, am Vor- und Nachmittag. Turnierschach, Blitz und Bullet (fünf, drei, eine Minute Bedenkzeit), Simultan und ruhiges Klötzchen schieben, bei Hotdogs, Knabberzeug und Getränken aller Art, mit und ohne Alkohol – danach stand den vielen Feiernden der Sinn.

Den Anfang machte ein ausgeschriebenes Schnellturnier für Mädchen und Frauen. Zwanzig Teilnehmerinnen traten in neun Runden „Schweizersystem“ – in jeder Runde  Punktgleiche – gegeneinander an, mit zwölf Minuten plus drei Sekunden Gutschrift für jeden Zug Bedenkzeit pro Spielerin. Es gab keine Altersvorgabe. Die Jüngste zählte sieben Jahre, die Älteste über vierzig. Sieben Spielerinnen sind Mitglieder der OSG, alle anderen kamen aus anderen Vereinen und aus allen Himmelsrichtungen. Für einige der Jüngsten war es das erste Schachturnier ihres Lebens. Der Ruf nach Wiederholung war unter den Teilnehmerinnen und den Veranstaltern deutlich vernehmbar.

Die Siegerin, Katharina Ricken, eingerahmt vom 1. Vorsitzenden, Patrick Bittner, links und Dominik Strauß, Chef der Unterstützerfirma dev specialists

Siegerin wurde mit acht Punkten Frauen-FIDE-Meisterin Katharina Ricken aus Krefeld, führendes Team-Mitglied beim  FC Bayern München in der Frauenbundesliga Schach. Mit nur einem halben Punkt Rückstand landete die für Freiburg-Zähringen spielende Sarah Hund. Der Apfel fällt nicht weit von Stamm: Mutter Barbara ist mehrfache deutsche und schweizerische Meisterin und ehemalige Nationalspielerin in beiden Ländern. Den dritten Rang erreichte mit sieben Punkten Maja Patricia Buchholz vom Wiesbadener SV 1885.

Fast alle Teilnehmerinnen. Vorne links: Turnierleiter Rolf Schlindwein, rechts Schiedsrichter Michael Ihle

Im Rahmenprogramm des Events spielte Großmeister und OSG – Spieler Philipp Schlosser im Kristallsaal des Kulturhauses LA8 in einer Simultanvorstellung gegen dreiundzwanzig Gegner gleichzeitig. Zweiundzwanzig Mal siegte der Großmeister, nur Philipp Schneider aus Appenweier schaffte ein Unentschieden.

GM Philipp Schlosser beim Simultan

Beim anschließenden freien Spiel jeder/jede, der oder die wollte, gegen jeden/jede, der oder die bereit war, fühlte sich der Chronist in Zeiten zurückversetzt, als die Computer und das Internet die Schachliebhaber und Schachliebhaberinnen noch nicht am heimischen PC festgenagelt haben.

Fotos OSG

Text Walter Siemon


28. November 2022

Wieder ein Doppelsieg

Die runden drei und vier in der Schachbundesliga sind gespielt, aber auch nach einem Doppelsieg gegen den SC Werder Bremen und den SK Kirchweyhe kann sich die OSG Baden-Baden höchstens als „heimlicher“ Tabellenführer betrachten, denn zehn Mannschaften, darunter auch die SG Solingen und die Schachfreunde Deizisau, im Moment „optische“ Spitzenreiter, haben die siebente Runde bereits vorgespielt, also eine Runde mehr auf dem Konto als Baden-Baden.

So ist man mit der Ausbeute des Wochenendes an der Oos zufrieden, zumal gegenüber dem mutmaßlichen Hauptkonkurrenten der laufenden Saison, dem SC Viernheim bei Gleichstand der Mannschaftspunkte ein Vorsprung von zweieinhalb Brettpunkten behauptet werden konnte.

Unerwartet deutlich gelang am vergangenen Samstag in den Räumen der Bremer Reederei Harren & Partner ein 6:2 Erfolg gegen Gastgeber SV Werder. Die Baden-Badener Siege an den Brettern drei (Michael Adams), fünf (Arkadij Naiditsch), sechs (Alexander Donchenko) und sieben (Jan Gustafsson) wurden in einer stellenweise „einfach“ aussehenden Klarheit herausgespielt, dass man sich einige hundert Kilometer entfernt am heimischen PC ausmalen zu können glaubte, welch entspannte Freude innerhalb des OSG-Teams hinterher geherrscht haben muss. Eine Partie stach besonders heraus: Jan Gustafsson zauberte, alle Brücken hinter sich einreißend, gegen Spartak Grigorian eine mehrere Züge lang eingefädelte Gewinnkombination wie aus dem Bilderbuch aufs Brett, jeden Applaus wert.

Jan Gustafsson mit Glanzpartie (Foro: Walter Siemon)

An den Punkteteilungen an den Brettern eins und zwei (Nikita Vitiugov und Vincent Keymer), vier und acht (Rustam Kasimdzhanov und Sergei Movsesian) gab es nichts zu rütteln. Keiner der Kontrahenten konnte sich einen echten Vorteil  erspielen.

So klar der Erfolg gegen Bremen, so mühsam das zähe Ringen gegen den überraschend starken Aufsteiger SK Kirchweyhe, ein Team, das sich viel vorgenommen hat. Lange Zeit sah es nicht so aus, als könne die OSG an irgendeinem Brett gewinnen. Auf Verlust stand allerdings auch niemand.

Dann hatte Rustam Kasimdzhanov das Glück des Tüchtigen: In einer komplizierten, aber nahezu ausgeglichenen Stellung verlor sein Gegner einen kurzen Moment lang den Überblick und machte einen ungenauen Zug. Die Partie kippte zugunsten des OSG-Brettes, wo Kasimdzhanov nichts mehr „anbrennen“ ließ. Alle anderen Partien endeten remis.

Insgesamt, so das Fazit des OSG-Vorsitzenden Patrick Bittner, habe sich das Niveau innerhalb der Schachbundeliga in den letzten Jahren erstaunlich angeglichen, so dass auch mit einer Aufsteigermannschaft jederzeit zu rechnen sei. OSG-Teamchef Sven Noppes, der es ähnlich einschätzt, resümierte, man könne zwar immer an irgendeinem Brett ein „wenn“ und „hätte“, sehen, aber das Ergebnis sei rundum in Ordnung.

Am 4. Februar 2023 geht es weiter in der Schachbundesliga. Dann empfängt die OSG Baden-Baden im Kulturhaus LA8 die Schachfreunde Deizisau und die Schachspieler des FC Bayern München.

Walter Siemon


25. November 2022

Schachbundesliga: Runden drei und vier in Bremen

In das kommende Wochenende der Schachbundesliga startet die OSG Baden-Baden mit der Chance, den hauchdünnen Vorsprung von einem Brettpunkt an der Tabellenspitze etwas auszubauen, da zwei der insgesamt vier nach Mannschaftspunkten gleichaufliegenden Teams, die Schachfreunde Deizisau und der SC Viernheim, beide Mitfavoriten der laufenden Saison, gegeneinander antreten müssen. Da scheint es die OSG Baden-Baden in den vor ihr liegenden Runden drei und vier eine Spur einfacher zu haben: Gegner sind der SV Werder Bremen (heute ab 14.00 Uhr) und der SK Kirchweyhe (morgen ab 10.00 Uhr). Grundsätzlich ist die Stimmung bei der OSG-Mannschaftsführung optimistisch, zumal der Ort des Geschehens, Bremen, symbolträchtigerweise der Schauplatz der vollendeten 16. Deutschen Meisterschaft der OSG in der letzten Saison war. OSG – Vorsitzender Patrick Bittner gibt allerdings zu bedenken, dass der aktuelle zwölfte Tabellenlatz des SV Werder Bremen niemanden dazu verleiten darf und wird, die Mannschaft zu unterschätzen. In bester Aufstellung seien die Bremer „saustark“, so Bittner.  Aufsteiger SK Kirchweyhe wiederum, ebenfalls zum Bremer Schachverband gehörend und aktuell Tabellenvorletzter, hat es in den letzten Jahren immer wieder geschafft, im Deutschen Mannschaftspokal in die Endrunden vorzudringen. Wie immer gilt also: Auf diesem Niveau gibt es keinen wirklich „leichten“ Gegner

Alle Spiele werden auf schachbundesliga.de/chess24.com live übertragen. 

Walter Siemon


14. November 2022

Alles offen in der Frauenbundesliga Schach

Atempause für die Konkurrenz: Ein Durchmarsch wie in der letzten Saison, als Seriensieger OSG Baden-Baden in der Frauenbundesliga Schach alle Begegnungen gewann, ist diesmal nicht möglich: In der dritten Runde dieser Saison setzte es für den Kurstadtverein an der Oos am vergangenen Wochenende eine empfindliche 2,5:3,5 Niederlage gegen den Vorgänger der OSG als Titelträger, den SC 1957 Bad Königshofen, den Kurstadtverein an der fränkischen Saale. Wie zum Trotz folgte einen Tag später ein 6:0-Kantersieg der OSG gegen den SV Medizin Erfurt, aber mit einem Rückstand von zwei Mannschaftspunkten auf den SK Schwäbisch Hall und die Schachfreunde Deizisau findet man sich nach diesem Wochenende auf dem dritten Tabellenplatzt wieder. Damit sei aber noch nichts entschieden, meinte OSG-Teamchef Thilo Gubler, denn alle drei Spitzenvereine müssen noch, jeder gegen jeden, gegeneinander antreten und werden, vermutet Gubler, die Titelvergabe unter sich ausmachen. Bad Königshofen könne trotz des Sieges gegen Baden-Baden wahrscheinlich nicht mehr eingreifen. Nach einem insgesamt durchwachsenen Saisonstart sei der Abstand der Fränkinnen zur Tabellenspitze praktisch nicht mehr aufholbar.

Was war passiert? Ausgerechnet die in dieser Aufstellung nominell stärkste Spielerin der OSG, Großmeisterin, Zhansaya Abdumalik, hatte gegen Bad Königshofen am Spitzenbrett ihre Dame ins Abseits manövriert und konnte die drohende Gefangennahme ihrer stärksten Spielfigur nur um den Preis einer nicht mehr haltbaren Verluststellung verhindern – ein Punktverlust, der, so Thilo Gubler, grundsätzlich nichts Ungewöhnliches darstelle, da man immer an irgendeinem Brett mit einer Niederlage rechnen müsse. Das eigentliche Problem habe in dem seines Wissens einmaligen Umstand gelegen, dass an keinem Brett ein OSG-Sieg gelang: Die fünf anderen Paarungen endeten alle remis. Zwar stand die deutsche Nummer eins, Elisabeth Pähtz, am dritten Brett bei ihrem Friedensschluss auf Gewinn, aber das konnten nur die für die Spielerinnen natürlich nicht einsehbaren Rechnerprogramme zweifelsfrei erkennen. Bei knapper Restbedenkzeit war es ihr nach eigener Aussage nicht mehr möglich, die äußerst komplizierte Stellung auf einen Sieg durchzurechnen und gab die Partie remis, da nach ihrer Einschätzung auch noch Verlustgefahr bestand.

Dass der Kampfgeist im Team aber weiterlebte, bewies beim 6:0 Erfolg gegen Erfurt am nächsten Tag besonders Iamze Tammert am sechsten Brett, die ihre Partie gegen eine auf dem Papier mindestens eine Klasse schwächere, gleichwohl aber sehr talentierte Gegnerin überraschend passiv begann und ein paar Züge lang praktisch auf Verlust stand, das Blatt aber dennoch wenden und die Begegnung zum Happy End für Baden-Baden führen konnte. Alle anderen Partien verliefen in dieser vierten Spielrunde erstaunlich problemlos.

Walter Siemon


11. November 2022

Weiter geht’s in der Frauenbundesliga

Die dritte und vierte von insgesamt elf Runden in der Frauenbundesliga Schach werden an diesem Wochenende ausgespielt. Beim Gastgeber Deizisau muss das Sextett der OSG Baden-Baden morgen um 14.00 Uhr zunächst gegen den SC 1957 Bad Königshofen antreten, übermorgen um 9.00 Uhr dann gegen den Aufsteiger SV Medizin Erfurt. Nach Mannschaftspunkten liegen die Baden-Badenerinnen gleichauf mit dem SK Schwäbisch Hall und den Schachfreunden Deizisau an der Tabellenspitze, aber das Ziel „Titelverteidigung“ vor Augen gilt es für die OSG im weiteren Verlauf der noch jungen Saison eineinhalb Brettpunkte gegenüber Spitzenreiter SK Schwäbisch Hall aufzuholen. Der morgige Gegner, der SC Bad Königshofen, ist ausgerechnet der Vorgänger der OSG als deutscher Meister, und das mit zwei Titelgewinnen hintereinander. Und auch dieses Mal, da ist sich OSG-Teamchef Thilo Gubler sicher, ist das unterfränkische Frauenteam an allen Brettern auf hohem Niveau nahezu gleich stark aufgestellt. Dass die Frauen von der Oos dennoch leicht favorisiert sind, möchte Gubler aber nicht bestreiten, wird er doch nach seiner Ankündigung ebenfalls eine sehr schlagkräftige Mannschaft aufstellen können. Namen werden allerdings bis kurz vor Rundenbeginn nicht bekannt gegeben.

Der SV Medizin Erfurt dürfte übermorgen der deutlich leichter zu bezwingende Gegner sein, aber auch hier sind, wie eigentlich immer, Überraschungen an einzelnen Brettern durchaus möglich. Der Gesamtsieg sollte nach Gublers Einschätzung jedoch nicht in Frage stehen.

Die Partien werden live auf chess24.com übertragen

Walter Siemon


7. November 2022

Frauen/Mädchen Schnellschachturnier am 10. Dezember 2022 in Baden-Baden

Die OSG Baden-Baden veranstaltet am 10. Dezember ein Frauen-/Mädchenschachturnier im Kristallsaal in der Lichtentaler Allee 8 in Baden-Baden. Ausschreibung siehe unten. Gesponsert wird das Turnier neben unserem Hauptsponsor, der GRENKE AG, von dem Softwaredienstleister DEV SPECIALISTS, der sich künftig im Bereich Frauen/Mädchenschach ebenfalls bei uns engagieren wird.

DEV SPECIALISTS unterstützt seine Kunden bei Projekten und Prozessen, vor allem im Bereich Programmiersprachen und Technologien. Wir freuen uns auf die Zusammenarbeit! (Patrick Bittner)

Ausschreibung:


24. Oktober 2022

Traumstart für die OSG Baden-Baden

Mit zwei Siegen, die man in dieser Höhe nicht unbedingt erwarten konnte, hat sich Titelverteidiger und Rekordmeister OSG Baden-Baden zum Neustart der Schachbundesliga sofort wieder an die Spitze gesetzt. 6,5: 1,5 wurde in der ersten Runde des vergangenen Wochenendes Gastgeber SK Doppelbauer Turm Kiel überrollt, 6:2 für die OSG hieß das Endergebnis gegen den Hamburger SK am zweiten Tag.

Insbesondere der Kampf gegen den SK Doppelbauer Turm Kiel, immerhin Fünftplatzierter der letzten Saison und beim jetzigen Neustart 8:0 Sieger gegen Aufsteiger TSV Schöneich, war aus Baden-Badener Sicht nahezu ein „Spiel auf ein Tor“. Unentschieden hieß es bei Vincent Keymer an Brett zwei, bei Michael Adams an Brett drei und bei Etienne Bacrot am sechsten Brett, an fünf Brettern gelangen problemlose OSG-Siege. Besonders eindrucksvoll: der kraftvolle Partieanfang von Nikita Vitiugov, der seinem Gegner nach wenigen Zügen einen Bauern abnahm, ohne ihm die Chance zu lassen, diesen Verlust irgendwie zu kompensieren. Auch Alexej Shirov an Brett vier, Rustam Kasimdzhanov an Position fünf, sowie Alexander Donchenko und Sergei Movsesian, an den Brettern sieben und acht, hatten ihre Gegner klar im Griff.

Nur eine Spur schwieriger lief es gegen den Hamburger SK:

OSG-Spieler Alexander Donchenko hatte hart zu kämpfen, um eine sich abzeichnende Niederlage noch abzuwenden. Zähe Verteidigung ließ seinen Gegner den Faden verlieren, und so endete die Partie unentschieden. Dasselbe Ergebnis erzielten Nikita Vitiugov, Vincent Keymer und Michael Adams. Erneut voll punkteten Alexei Shirov, Rustam Kasimdzhanov und Sergei Movsesian, außerdem diesmal auch Etienne Bacrot.

Keine einzige Partie ging an diesem Wochenende für die OSG verloren.

Bärenstark an Brett eins und neu im Team: Nikita Vitiugov (Foto GRENKE Chess Open)

Nicht nur über diesen „großartigen“ Erfolg zeigte sich Vereinsvorsitzender Patrick Bittner hocherfreut, sondern auch über den guten Einstand der beiden Team-Neulinge, Nikita Vitiugov, in Spanien lebender Russe, der international nicht mehr für Russland spielt, sondern unter der Flagge der Weltschachorganisation FIDE, und des noch siebzehnjährigen Vincent Keymer, bereits deutsche Nummer Eins, aktuell Platz neununddreißig in der Weltrangliste, mit Potenzial zu höheren Zielen. Teamchef Sven Noppes ist zuversichtlich, beide regelmäßig einsetzten zu können und sieht in dieser Erweiterung des Kaders einen deutlichen Zugewinn an Flexibiltät.

Der Vorsprung auf die unmittelbaren Verfolger in der Tabelle, die Schachfreunde Deizisau und die SG Solingen, beträgt einen, bzw. eineinhalb Brettpunkte – kein Ruhekissen, aber gerade zum Start nicht ganz unwichtig. Für Sven Noppes bleibt der Hauptrivale jedoch der SC Viernheim, auch wenn die Südhessen gegen den Aufsteiger SV Deggendorf mit einem knappen 4,5:3,5 das Glück des Tüchtigen hatten, nachdem sich Deggendorf am dritten Brett einen sicher geglaubten Sieg noch hatte aus der Hand nehmen lassen.

Vorsitzender Bittner machte mit Blick auf den gesamten Verein OSG Baden-Baden auf den soliden Unterbau des Clubs aufmerksam: Titelverteidiger OSG II liegt in der 2. Schachbundesliga Süd nach einem 7:1 gegen die SF Stuttgart auf dem aussichtsreichen dritten Rang der Tabelle, in der Oberliga Baden ist OSG III Tabellenführer und auch die anderen Mannschaften haben bis in die Kreisklasse hinunter fast alle Aufstiegschancen, nicht zuletzt Dank der guten Jugendarbeit des Vereins, so Bittner.

Walter Siemon


20. Oktober 2022

Neustart der Schachbundesliga

Schach ist bekanntlich ein Denksport, aber zum Start der neuen Saison der Schachbundesliga am kommenden Wochenende wird man über das, was die OSG Baden-Baden vorhat, nicht nachdenken müssen: Titelverteidigung und damit Aufstockung des Rekords auf siebzehn Titel. Allein schon die höchst bemerkenswerte personelle Verstärkung ist ein entsprechendes Signal an die Liga: Vincent Keymer, mit noch nicht ganz achtzehn Jahren die deutsche Nummer eins und mit jetzt 2700 Elopunkten und FIDE-Ranglistenplatz 39 auf dem Weg in die Weltspitze, sowie Nikita Vitiugov, Weltranglistenplatz 25 und Vorgänger Keymers als Sieger des GRENKE Chess Open 2017 (Keymer 2018). Und nach wie vor steht der Name GRENKE für das Sponsoring eines Teams, das auf der Website der Schachbundesliga erneut als das „Who’s Who des Weltschachs“ apostrophiert wird. Bis zur Vereinsrangliste 20 hinunter kann Mannschaftsführer Sven Noppes auf Internationale Großmeister zugreifen und je nach aktueller Verfügbarkeit aufstellen. Über einen derartig breit aufgestellten Kader verfügt kein anderer Verein in der Schachbundesliga. Und so gibt Noppes unumwunden zu, dass sich die OSG für den erneuten Titelkampf in einer sehr guten Ausgangsposition befindet. Natürlich wird vorher nicht verraten, ob und wann welche der prominentesten Namen am Brett sitzen werden. Vielleicht wieder Fabiano Caruana? Anish Giri? Viswanathan Anand? Vorläufig alles Spekulation.

Vincent Keymer

Die beiden vergangenen deutschen Meisterschaften wurden jeweils in einem unvergesslichen, dramatischen Finale gegen das Oktett des SC Viernheim errungen. Auch die Südhessen haben sich personell verstärkt und damit zu erkennen gegeben, dass sie den Seriensieger von der Oos endlich einmal vom „Thron“ stoßen möchten. Neben ihrem bereits erprobten Spitzenmann Shakriyar Mamedyrov werden sie auf die Neuzugänge Jan-Krzystof Duda, Nodirbek Abdusattorov und Georg Meier bauen. Duda war Teilnehmer des letzten Weltmeisterschaftkandidatenturniers, das in diesem Jahr ausgespielt wurde, der erst achtzehnjährige Abdusattorov wurde Schnellschachweltmeister 2021 (und besiegte unter anderen Weltmeister Magnus Carlsen). Georg Meier, bis Ende letzter Saison noch Stammspieler der OSG Baden-Baden, hat die Vereinsfarben gewechselt.

Zur ersten Runde müssen sich die OSG-Spieler am Samstag, 22.10., im Norden treffen, um ab 14.00 Uhr gegen den SK Doppelbauer Turm Kiel anzutreten, fünfter der letzten Saison und damit offensichtlich kein leichter Gegner, am Sonntag um 10.00 Uhr geht es dann gegen dem Hamburger SK, mit einiger Wahrscheinlichkeit stärker als der 14. Tabellenplatz der Vorsaison aussagt.

Die Partien werden live im Internet auf schachbundesliga.de/chess24.com übertragen.

Text und Foto: Walter Siemon


17. Oktober 2022

OSG-Team startet erfolgreich in die neue Saison der Frauenbundesliga Schach

Dass Schwäbisch Hall wieder zum engsten Favoritenkreis der Frauenbundesliga Schach zählt, war von Anfang an klar. Und so mussten die Frauen der OSG Baden-Baden trotz ihrer zwei Erfolge gegen TuRa Harksheide (4:2) und den Hamburger SK, der hoch mit 5,5 zu 0,5 geschlagen wurde, zur Kenntnis nehmen, wie scharf der Wind in der Saison 2022/2023 noch wehen könnte. Haben sie doch nach den ersten beiden Runden einen Rückstand von 1,5 Brettpunkten auf die schwäbischen Rivalinnen, die ihrerseits einen Saisoneinstand feiern durften, der sich sehen lassen konnte: 5:1 gegen Aufsteiger SG Solingen und 6:0 gegen SV Hemer. OSG-Teamchef Thilo Gubler misst diesem ersten Punktestand jedoch keine besondere Bedeutung zu, da immer die jeweilige Gegnerschaft zu berücksichtigen sei und da habe Baden-Baden bereits die höheren Hürden genommen. Für ihn und die Spielerinnen stehe zunächst einmal ganz klar die Freude über die Erfolge im Vordergrund – besonders der gelungene Einstand der beiden Neuen, Mai Narva aus Estland und Teodora Injac aus Serbien, die zusammen 3,5 Punkte erspielten. Der erste Wettkampftag am vergangenen Wochenende gegen TuRa Harksheide verlief allerdings nicht ganz so glatt, wie man das vielleicht hätte erwarten können. Dass an zwei Brettern die Punkte geteilt wurden (Elisabeth Pähtz gegen Laura Unuk sowie Teodora Injac gegen Katarzyna Adamowicz) ist nichts Besonderes, dass aber Großmeisterin Keteva Arakhamia- Grant erleben musste, wie ein etwas übermütiger Bauernraub konsequent widerlegt wurde, war eine Überraschung. Wies doch ihre junge Gegnerin, Inken Koehler, eine vergleichsweise niedrige Elozahl auf, die aber offenbar (noch) nicht (oder nicht mehr) ihre wahre Spielstärke widerspiegelte.

Neu im Team: Mai Narva und Teodora Injac (Fotos Thilo Gubler)

Volle Punkte erzielten in der Begegnung gegen Harksheide an Brett eins Exweltmeisterin Antoaneta Stefanova gegen Julia Antolak, Mai Narva an Brett drei gegen Maria Gosciniak und Josefine Heinemann am siebten Brett gegen Carina Brandt.

Gegen den Hamburger SK, in früheren Zeiten auch schonmal ein „Stolperstein“, wurden am zweiten Tag die Erwartungen allerdings hoch übertroffen. In durchweg überzeugender Spielführung, teilweise gespickt mit taktischen Raffinessen, siegten Elisabeth Pähtz gegen Sarah Papp, Mai Narva gegen Maria Gosciniak, Teodora Injac gegen Lyubka Genova, erneut Josefine Heineman gegen das siebzehnjährige Jungtalent Antonia Ziegenfuß. Josefine baute ihren Score in Diensten der OSG Baden-Baden damit auf dreißig Siege aus. Und diesmal gewann auch Ketevan Arakhamia-Grant, deren energisch herausgespieltem Sieg gegen Stefanie Scognamiglio anzumerken war, wie sehr sie die Niederlage am Vortag gewurmt haben muss.

Antoaneta Stefanova hatte es mit der frisch gebackenen Europameisterin Monika Socko zu tun. Punkteteilung war das absolut zufriedenstellende Ergebnis des Duells.

Walter Siemon


13. Oktober 2022

Start der Frauenbundesliga 2022/23

Zum Neustart der Frauenbundesliga Schach an diesem Wochenende kann man die Frage nach dem Saisonziel der OSG Baden-Baden eigentlich nur mit einem Augenzwinkern stellen. Die Antwort des Vereinsvorsitzenden, Patrick Bittner, und des Mannschaftsführers, Thilo Gubler, steht von vornherein fest: Titelverteidigung. Eine erste Trumpfkarte hält man bereits in der Hand: Mit zwei namhaften, jungen Großmeisterinnen des Frauenschachs, der Estländerin Mai Narva und der Serbin Teodora Injac, konnte der Mannschaftskader noch einmal breiter aufgestellt werden, so dass Thilo Gubler zuversichtlich ist, in jeder der kommenden elf Runden ein schlagkräftiges Team aufstellen zu können. So reist der zwölffache deutsche Meister, die OSG Baden-Baden, als Favorit zur ersten Begegnung gegen den TuRa Harksheide nach Norderstedt. Start ist Samstag, 15.10. ab 14.00 Uhr. Am Sonntag, 16.10. ab 9.00 Uhr, sitzen die Frauen des Hamburger SK den Akteurinnen der OSG an den sechs Brettern gegenüber. Mit dem Verein aus Hamburg-Eilbek, einem der größten in Deutschland, steht – schaut man auf Erfahrungen der Vergangenheit – schon eine höhere Hürde im Weg, ein stets gefährlicher, potenzieller „Stolperstein“, wie Thilo Gubler vorwarnt. Die Hauptkonkurrenten sind allerdings nach seiner unveränderten Einschätzung erneut der SK Schwäbisch Hall und der SC 1957 Bad Königshofen.

Die Partien des Wochenendes werden auf schachbundesliga.de/chess.24.com live übertragen.

Walter Siemon


14. August 2022

Neuzugänge der OSG für die Bundesliga Teams

Wir freuen uns, mit der Deutschen Nummer Eins, GM Vincent Keymer / aktueller Weltranglistenplatz 61 / ELO 2680 und dem Sieger der GRENKE-Chess Open 2017, GM Nikita Vitiugov, aktueller Weltranglistenplatz 25 / ELO 2722, zwei namhafte Neuzugänge für unser Schachbundesliga-Team vermelden zu können.

Und wir freuen uns, dass sich mit WGM Mai Narva, ELO 2405, und WGM Teodora Injac, ELO 2389, zwei junge Top-Talente im Frauenschach, unserem Frauenbundesliga-Team anschließen.

Wir heißen alle vier herzlich willkommen bei der OSG Baden-Baden! (Patrick Bittner)