(1) Doettling,F (2542) - Rudolf,Hen (2327) [E97]
Bundesliga 2006-7 Bindlach GER (13), 18.03.2007
[Fabian Doettling]



1.d4 Sf6 2.Sf3 g6 3.c4 Lg7 4.Sc3 0-0 5.e4 d6 6.Le2 e5 7.0-0 Sc6 8.d5 Se7 9.b4
Dass die Königsindische Verteidigung in der zweiten Hälfte der 90er Jahre auf Toplevel stark an Popularität eingebüßt hat, ist vor Allem den Bemühungen Vladimir Kramniks in diesem sog. "Bajonett-Angriff" zuzuschreiben. Weiß macht sich umgehend daran, den thematischen Hebel c4-c5 durchzusetzen und sein Spiel am Damenflügel zu initiieren.

9...Sh5
[9...a5 ist die Hauptalternative zum Textzug, wonach 10.bxa5 als stärkste Fortsetzung gilt (als weniger genau gilt 10.La3 ) ]

10.Te1 f5 11.Sg5 Sf4
eine heutzutage selten gespielte Variante. [11...Sf6 ist die vielgespielte Hauptvariante.]

12.Lxf4
zwar schade um den schönen Läufer, aber Weiß wird dadurch reichlich durch die geschwächten weißen Felder im gegnerischen Lager, v.A. e6, entschädigt.Andererseits hat Weiß auch kaum eine andere Wahl, da die Alternative Schwarz zu viel Spiel gewähren würde. [12.Lf1?! h6 13.Sf3 fxe4 (13...g5?! 14.Lxf4 exf4 15.e5|^ ) 14.Sxe4 Sf5|^ ]

12...exf4 13.Tc1 Lf6
die Hauptfortsetzung. Eine gute Übersicht bietet die vom Meister persönlich kommentierte Partie Kramnik-Shirov, Tilburg 1997, 1-0(36) [interessant ist auch 13...Lh6!? 14.Se6 Lxe6 15.dxe6 f3 16.Lxf3 Lxc1 17.Dxc1© wobei Weiß hier ausgezeichnete Kompensation für die Qualität besitzt.; 13...h6?! würde im Vergleich zur Partiefortsetzung nur unnötig den Königsflügel schwächen,]

14.Se6 Lxe6 15.dxe6 Lxc3 16.Txc3 fxe4 17.Lg4!?
[als Hauptzug gilt eigentlich 17.Lf1 doch konnte ich mich während der Partie zum Einen nicht daran erinnern und zum anderen erscheint mir auch jetzt noch der Textzug als mindestens gleichwertig. 17...e3 18.fxe3 fxe3 19.Tcxe3 c6 20.Dd2 d5 21.cxd5 cxd5 22.Dd4 Dd6 (=22...Db6 23.Dc5 Dxc5 24.bxc5 ist lediglich Zugumstellung) 23.Dc5 Df4? (23...Dxc5! 24.bxc5 Tfc8 25.Tb1 Tab8 26.Teb3 Tc7+/= und Schwarz sollte keine allzugroßen Probleme haben, die Stellung zu halten.) 24.Tf3 (natürlich nicht 24.Dxe7?? Df2+ 25.Kh1 Dxf1+ 26.Txf1 Txf1# ) 24...Dg5 25.Tf7! Txf7 26.exf7+ Kxf7 27.Dc7+/- und Weiß hatte schon nahezu entscheidenden Vorteil in der o.g. Partie Kramnik-Shirov, Tilburg 1997 1-0(36).; 17.Dd4!? ist eine Empfehlung von Ljubomir Ftacnik, die allerdings noch auf einen ersten Pionier wartet]

17...e3?!
hier ist dieser Zug weniger zu empfehlen. [als Bestes gilt 17...Sc6 mit der möglichen Folge 18.Txe4 Se5 19.c5 De7 wobei Weiß nach 20.Lh3 Tad8 21.Dc1!+/= meiner Ansicht nach einiges an Vorteil behält; 17...d5?! ist ebenfalls kaum zu empfehlen. Man sehe: 18.cxd5 Sxd5 19.e7! Sxe7 20.Db3+ Kh8 21.Td1 De8 22.Txc7 Df7 23.Dc3+ Kg8 24.De5 Sc6 25.Txc6+- ]

18.fxe3 Sc6?
und nach diesem Zug ist der Nachziehende im höheren Sinne bereits verloren. [18...c6! war essentiell. Danach hielte sich der weiße Vorteil noch in Grenzen, z.B.: 19.Dd2 fxe3 20.Tcxe3 d5 21.Td3+/= ]

19.exf4 Txf4
[19...Df6 20.Tce3+- ]

20.e7!!
dieses schöne Räumungsopfer entscheidet die Partie sofort. Die schwarzen Figuren erreichen hiernach einfach keine Koordinatlion und dem Monarchen des Nachziehenden geht es rasch an den Kragen.

20...Sxe7
[nicht besser ist 20...De8 21.Tf3 Txf3 (21...Txg4 22.Tf8++- ) 22.Lxf3 Se5 23.Lxb7 Tb8 24.Dd5+ Kg7 (24...Df7 25.Txe5 dxe5 26.Dxe5+- ) 25.Txe5 dxe5 26.Dxe5+ Kh6 27.Dxc7+- ]

21.Le6+ Kg7 22.Da1!
gegen die verheerende Abzugsdrohung Tf3+ gibt es keine hinreichende Verteidigung.

22...g5
[22...c5 23.Td3+ Td4 (23...Tf6 24.Tf1 Sf5 25.Lxf5 gxf5 26.Txf5 Kg6 27.Txf6+ Dxf6 28.Tg3+ Kf7 29.Tf3+- ) 24.Txd4 cxd4 25.Dxd4+ Kh6 26.Te3+- ; 22...Tf6 23.Tf3 Sf5 24.g4+- ]

23.Th3+ Tf6
[23...Kg6 24.Db1+ Sf5 (24...Kf6 25.Th6+ Sg6 (25...Kg7 26.Dxh7+ Kf8 27.Dh8++- ) 26.Db2+ Ke7 27.Dg7+ Ke8 28.Ld7# ) 25.Lxf5+ Txf5 26.g4+- ]

24.Tf1 Sg6 25.Txf6
Eine nette Miniatur gegen den Königsinder, die mir wirklich Spaß bereitet hat! [25.Txf6 Dxf6 26.Txh7++- ] 1-0