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OSG Baden-Baden: Männer zum elften Mal Deutscher Meister, Frauen zweite

Die Meister. Stehend v.l.n.r. F.Caruana, Mannschaftsführer S.Noppes, M.Vachier-Lagrave, A.Naijditsch, P-H.Nielsen, E.Bacrot, Vereinsvorsitzender P-Bittner, sitzend G.Meier, S.MovsesianMit einem kurzen Händedruck zwischen Etienne Bacrot und Gabor Kovacs war die elfte Deutsche Meisterschaft für die OSG Baden-Baden in der Schachbundesliga besiegelt. Der für Baden-Baden spielende Bacrot hatte mit seinem Sieg  gegen den Ungarn auch den Gewinn der ganzen Mannschaft gegen Aufsteiger  SG Speyer-Schwegenheim sichergestellt (Endresultat 7:1), und dann waren die Baden-Badener in den verbleibenden zwei Runden nicht mehr einzuholen. Es folgten noch ein 6,5: 1,5 gegen Titelverteidiger Solingen und ein 7,5:0,5 gegen Mülheim Nord und damit zum dritten Mal in der Baden-Badener Bundesligageschichte ein Hundeartprozent-Ergebnis: Siegreich in allen fünfzehn Begegnungen.

 

 

 

 

Frauen neu 126Die Frauen, die aus eigener Kraft zwar nicht mehr Meister werden konnten, haben zum Abschluss noch einmal eine Galavorstellung abgeliefert und damit das Beste aus der Situation gemacht. Die Titelverteidigerinnen der OSG Baden-Baden gewannen alle drei Schlussrunden sehr deutlich:4:2 gegen die Karlsruher SF, 5,5:0,5 gegen Rodewisch und 5:1 gegen den SC Bad Königshofen, immerhin einer der ursprünglich gehandelten Topfavoriten beim Kampf um die deutsche Meisterschaft. Letztendlich ermöglichten über die gesamte Saison gesehen zwei Unentschieden des OSG Frauenteams den Schachspielerinnen des SK Schwäbisch Hall den Weg an die Spitze, die sie sich nicht mehr nehmen ließen, auch wenn es für die „Schwäbinnen“ gegen Deizisau noch einmal knapp wurde. Die Vizemeisterschaft der OSG hatten die zwei Exweltmeisterinnen Alexandra Kosteniuk  und Mariya Muzychuk, die amtierende Weltmeisterin im Schnell- und Blitzschach, Anna Muzychuk, Ex-Europameisterin, Viktorija Cmilyte, die wieder enorm fleißig punktende Baden-Badener „Lokalmatadorin“ Iamze Tammert, Stammspielerin Ketiono Kachiani-Gersinska und das Jungtalent Josefine Heinemann festgehalten. Auf eine ähnliche Traumbesetzung hofft Mannschaftsführer Thilo Gubler in den Schlüsselspielen der nächsten Saison, um den Titel an die Oos zurückzuholen.

Aber nicht nur die erfolgreichen Spielerinnen und Spieler, nein, allesamt hatten ein großes Schachfest erlebt: Alle Bundesligamannschaften spielten die drei letzten Runden gemeinsam am selben Ort. Die Schachfreunde Berlin hatten, mit Unterstützung durch den Berliner Senat, zum Groß-Event vom 29.4. bis 1.5. in das dafür prädestinierte Hotel Maritim eingeladen und waren auf ein überwältigend positives Echo gestoßen. Besonders Lob galt allgemein dem Ambiente und der Atmosphäre, sowie dem Umstand, dass die Herren der Schachbundesliga und die Spielerinnen der Frauenbundesliga gemeinsam antreten konnten, dass sich Denksportler auf Amateurniveau Ansporn durch die Nachbarschaft von Weltklassecracks holen konnten, dass Spieler, Funktionäre und Zuschauer abseits der Schachbretter miteinander ins Gespräch kommen konnten.

Der Präsident des Deutschen Schachbundes, Herbert Bastian, sprach bei der Siegerehrung von der Dominanz der Baden-Badener, die in den letzten elf Jahren nur einmal durch die diesmal drittplatzierten Solinger durchbrochen worden sei und befand, die Baden-Badener Mannschaft sei in Berlin als „Weltauswahl“ angetreten. Und in der Tat: Mit Fabiano Caruana, Maxime Vachier-Lagrave, Levon Aronian und Ex-Weltmeister Visvanathan Anand, übrigens seit dem Aufstieg in die Bundesliga in der OSG immer wieder dabei, saßen vier Spieler der Top Ten der Welt an den ersten Brettern. Punkte wurden allerdings auch an den Brettern dahinter erspielt: Mit Georg Meier, VWL-Student, der sich selbst nicht als Profi sieht, gab es einen „Mister Hundert-Prozent“: Er gewann alle seine neun Begegnungen! (Dazu noch zwei in zwei Pokaleinsätzen). Der beständigste Spieler der OSG, für den es nach eigenen Worten auch diesmal wieder „super gelaufen ist“ : Arkadij Naiditsch.  Er fehlte, seit er in der Spielzeit 2007/2008 zur Mannschaft dazu gestoßen ist, ganze acht Mal und erzielte eine Erfolgsquote von annähernd 90 %. Man kann sich fast darauf verlassen, dass er seine Matches gewinnt. In Berlin ebenfalls dabei: Rustam Kasimdzhanov,  Sergei Movsesian, Peter Heine Nielsen und, mit drei Siegen besonders erfolgreich: Etienne Bacrot.

Trotz höchst eindrucksvoller persönlicher Statistiken wollte Mannschaftsführer Sven Noppes jedoch keinen Spieler bevorzugt hervorheben, sondern betonte den Teamgeist und die mannschaftliche Geschlossenheit eines Kaders, das von Verlässlichkeit geprägt sei. Gemeinsam mit dem ersten Vorsitzenden des Vereins, Patrick Bittner, relativierte er auch die zitierte „Dominanz“ der Baden-Badener: Sie sei niemals selbstverständlich. Ziel sei zwar immer der sportliche Erfolg, aber eigentlich im Dienste einer höheren Sache: Der Förderung des Schachsports in Deutschland überhaupt. So könne man das Engagement des Sponsors Grenke AG für die Bundesliga auch im Zusammenhang mit dem in der Breite ungemein erfolgreichen „Grenke Chess Open“ sehen, dass  sich seit zwei Jahren jeweils zu Ostern mit einer Teilnehmerzahl von mehreren hundert bis über tausend Schachenthusiasten in Karlsruhe etabliert hat. Auch das parallel dazu stattfindende Großmeisterturnier „Grenke Chess Classic“ diene diesem Zweck der Popularisierung des Schachsports.

Der PottPatrick Bittner wies darauf hin, dass für ihn alles gleich wichtig sei: Die Bundesliga, die Ligakämpfe bis hinunter zur Kreisklasse, die Förderung von Kindern und Jugendlichen, das Schul- und Seniorenschach, das Vereinsleben überhaupt: Alles dies sei  die OSG Baden-Baden. Die Grenke AG wird, so hat es Wolfgang Grenke versichert, ihr Engagement fortsetzen. Im Bundesligakader wird es allerdings – so Sven Noppes – Veränderungen geben. Welche, verriet er natürlich nicht.

 

 

 

(Bericht und Foto: Walter Siemon. Auf dem Foto oben stehend v.l.n.r.: F.Caruana, M.Vachier-Lagrave, A.Naiditsch, P.H.Nielsen, E.Bacrot, J.Gustafsson, Vereinsvorsitzender P.Bittner, sitzend G.Meier, S.Movsesian; unten: I.Tammert, J. Heinemann, K. Kachiani-Gersinska, A. Muzychuk, M.Muzychuk, V.Cmilyte, Mannschaftsführer Th.Gubler, Vorsitzender P.Bittner)

 

 

 

iphone neu 105Die Mannschaft hinter den Mannschaften, im Turniersaal. V.l.n.r. Patrick Bittner, Wolfgang Grenke, Thilo Gubler und Sven Noppes