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Schachbundesliga: Es sieht gut aus für die OSG

Der Bericht für die Presse:

Noch ist das Rennen für die OSG Baden-Baden nicht gelaufen, aber der elfte deutsche Meistertitel ist in Sichtweite. Fünf Runden vor Schluss bleibt der Verein an der Oos nach 5:3-Siegen über den SV Werder Bremen und den Hamburger SK weiterhin alleiniger Tabellenführer, verlustpunktfrei und mit drei Mannschaftspunkten Vorsprung auf  den nächsten Verfolger, SK Schwäbisch Hall. Titelverteidiger SG Solingen indes ist nach einer überraschend deutlichen Niederlage gegen den SV Hockenheim 1930 aus dem Rennen. Die ehrgeizen Hockenheimer mussten aber am zweiten Wettkampftag des Wochenendes ihrerseits gegen SV Mühlheim Nord eine unerwartete 3,5: 4,5 Niederlage quittieren und sind auf den vierten Tabellenplatz zurückgefallen. Da Hockenheim und Schwäbisch Hall, die sich für diese Saison viel vorgenommen hatten, noch gegeneinander antreten müssen, scheint alles auf die OSG zuzulaufen. Auf die Kurstädter warten mit  Solingen und Mühlheim zwar noch zwei Mannschaften aus der oberen Tabellenhälfte, aber selbst wenn deren Motivation noch nicht gelitten haben sollte, kann es für die OSG nur ein Ziel geben: auch diese Hürden zu meistern und am Ende ganz oben zu stehen.

Ein wichtiger Schritt dorthin: Auch ohne die allererste Garnitur an Weltklassegroßmeistern gelang es am Wochenende, das „Trauma“ Werder Bremen abzuschütteln, hatte man doch gegen die Denksportler von der Weser in der vorletzten Spielzeit nur ein Unentschieden erreicht und in der letzten Saison durch eine Niederlage gar den Titel verspielt. Und wieder zeigte sich der besondere Reiz des Schachs als Mannschaftssport: Was ein einem Brett misslingt, glückt, wenn es gut läuft, am anderen. So musste sich am ersten Brett der OSG der polnische Spitzenspieler Radosław Wojtaszek gegen den Franzosen Laurent Fressinet mit einem Remis begnügen, nachdem ihm ein effektvolles, raschen Gewinn versprechendes, Figurenopfer entgangen war – quasi ein verschossener „Elfmeter“ -,  dafür konnte an Brett sechs Arkadij Naiditsch in stark verlustverdächtiger Stellung auf Baden-Badener Seite ein Remis retten. Da auch die Begegnungen auf den Positionen zwei bis fünf allesamt unentschieden endeten, weil die Bremer einfach auf Augenhöhe mithielten, mussten es die Spieler an den letzten beiden Brettern richten. Sergeij Movsesijan und Georg Meier gelang dies, jedem auf  seine Weise: Movsesijan siegte durch ausgesprochen risikofreudiges Verwirrspiel mittels eines Figurenopfers gegen zwei Bauern, Georg Meier durch stoische Beharrlichkeit in einem eigentlich ausgeglichenen Endspiel.

Überhaupt Georg Meier: Da er am Folgetag auch gegen Bundestrainer Rogozenco vom Hamburger SK gewann, ist der deutsche Großmeister zur Zeit mit seiner 100% -Quote von vier Siegen in vier Einsätzen der erfolgreichste OSG-Spieler. Gegen Hamburg hatten die OSG-Stars zunächst eine „Schrecksekunde“ zu überstehen, die allerdings im Schach schon mal zwei oder mehr Stunden dauern kann, als nämlich Wojtaszek an Brett eins relativ rasch gegen seinen polnischen Landsmann Duda verlor. Wojtaszek, der nicht sein bestes Wochenende erwischt hatte, überschätzte in zweischneidiger, aber keinesfalls verlorener Stellung seine Möglichkeiten und bekam die Partie danach in wenigen Zügen aus der Hand genommen. Als dann an den Brettern von Vallejo Pons, Bacrot, Naiditsch und Movsesijan nur Unentschieden heraussprangen, wirkten der kraftvolle und siegreiche Angriff von Michael Adams an Brett zwei sowie die vollen Punkte, die Georg Meier und Jan Gustafsson, jeweils mit Endspielraffinesse, einfuhren, wie eine Erlösung. (WalterSiemon)